The­ra­pie­un­ter­brin­gung – und der stren­ge Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­maß­stab

Mit Beschluss vom 11.07.2013 hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt fest­ge­stellt, dass § 1 Abs. 1 des The­ra­pie­un­ter­brin­gungs­ge­set­zes in der Fas­sung des Geset­zes zur Neu­ord­nung des Rechts der Siche­rungs­ver­wah­rung und zu beglei­ten­den Rege­lun­gen vom 22.12 2010 1 mit dem Grund­ge­setz mit der Maß­ga­be ver­ein­bar ist, dass die Unter­brin­gung oder deren Fort­dau­er nur ange­ord­net wer­den darf, wenn eine hoch­gra­di­ge Gefahr schwers­ter Gewalt- oder Sexu­al­straf­ta­ten aus kon­kre­ten Umstän­den in der Per­son oder dem Ver­hal­ten des Unter­ge­brach­ten abzu­lei­ten ist 2.

The­ra­pie­un­ter­brin­gung – und der stren­ge Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­maß­stab

Der stren­ge Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­maß­stab der hoch­gra­di­gen Gefahr schwers­ter Gewalt- oder Sexu­al­straf­ta­ten, wie ihn das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt für die Ver­trau­ens­schutz­be­lan­ge betref­fen­de Siche­rungs­ver­wah­rung ver­langt 3, bean­sprucht in glei­cher Wei­se für die The­ra­pie­un­ter­brin­gung Gel­tung 4. Wird die­ser stren­ge Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­maß­stab nicht auf den Tat­be­stand des § 1 Abs. 1 ThUG ange­wandt, genügt der Unter­brin­gungs­be­schluss nicht den Anfor­de­run­gen an eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung und Anwen­dung des § 1 Abs. 1 ThUG und ver­letzt den Betrof­fe­nen in sei­nem Frei­heits­grund­recht aus Art. 2 Abs. 2 Satz 2 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 3 GG.

Dabei kommt es für die Fest­stel­lung der Grund­rechts­ver­let­zung allein auf die objek­ti­ve Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der ange­foch­te­nen fach­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen im Zeit­punkt der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts an; uner­heb­lich ist hin­ge­gen, ob die Grund­rechts­ver­let­zung den Fach­ge­rich­ten vor­werf­bar ist 5.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschlüs­se vom 23. Janu­ar 2014 – 2 BvR 119/​12, 2 BvR 923/​12, 2 BvR 1020/​12, 2 BvR 1100/​12 und 2 BvR 1239/​12

  1. BGBl I S. 2300[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 11.07.2013 – 2 BvR 2302/​11 u.a.[]
  3. vgl. BVerfGE 128, 326, 399[]
  4. vgl. BVerfG, Beschluss des Zwei­ten Senats vom 11.07.2013 – 2 BvR 2302/​11 u.a., juris, Rn. 69 ff.[]
  5. vgl. BVerfGE 128, 326, 407 f.[]