The­ra­pie­un­ter­brin­gun­gen und das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt waren wei­te­re Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen Unter­brin­gungs­an­ord­nun­gen auf Grund­la­ge des The­ra­pie­un­ter­brin­gungs­ge­set­zes teil­wei­se erfolg­reich.

The­ra­pie­un­ter­brin­gun­gen und das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Bereits im Juli 2013 hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt fest­ge­stellt, dass das The­ra­pie­un­ter­brin­gungs­ge­setz mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist, jedoch ver­fas­sungs­kon­form aus­ge­legt wer­den muss 1. Die Unter­brin­gung darf hier­nach nur dann ange­ord­net wer­den, wenn eine hoch­gra­di­ge Gefahr schwers­ter Gewalt- oder Sexu­al­straf­ta­ten aus kon­kre­ten Umstän­den in der Per­son oder dem Ver­hal­ten des Unter­ge­brach­ten abzu­lei­ten ist. Die in den kon­kre­ten Ver­fah­ren ergan­ge­nen fach­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf­ge­ho­ben, weil sie nicht die­sen ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­maß­stab zugrun­de gelegt hat­ten.

Im Anschluss hier­an hat nun – gut ein hal­bes Jahr spä­ter – die 3. Kam­mer des Zwei­ten Senats des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in sie­ben wei­te­ren Ver­fah­ren den Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen die – alle­samt noch vor der Leit­ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ange­ord­ne­ten – gericht­lich ange­ord­ne­te Unter­brin­gung der Beschwer­de­füh­rer auf Grund­la­ge des The­ra­pie­un­ter­brin­gungs­ge­set­zes teil­wei­se statt­ge­ge­ben.

Auch in die­sen Ver­fah­ren ver­let­zen die fach­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen das Grund­recht der Beschwer­de­füh­rer aus Art. 2 Abs. 2 Satz 2 in Ver­bin­dung mit Art. 20 Abs. 3 GG, weil sie nicht den ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­maß­stab zugrun­de gelegt haben. Es kommt hier­bei allein auf die objek­ti­ve Ver­fas­sungs­wid­rig­keit an; uner­heb­lich ist hin­ge­gen, ob die Grund­rechts­ver­let­zung den Fach­ge­rich­ten vor­werf­bar ist. Soweit sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­den mit­tel­bar gegen das The­ra­pie­un­ter­brin­gungs­ge­setz selbst rich­ten, wur­den sie unter Ver­weis auf den Beschluss vom 11. Juli 2013 nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschlüs­se vom 22. Janu­ar 2014 – 2 BvR 1100/​12; vom 23. Janu­ar 2014 – 2 BvR 1239/​122 BvR 1020/​122 BvR 923/​122 BvR 565/​12 und 2 BvR 119/​12; und vom 5. Febru­ar 2014 – 2 BvR 953/​12

  1. BVerfG,Beschluss vom 11. Juli 2013 – 2 BvR 2301/​11 und 2 BvR 1279/​12[]