Tötungs­vor­satz, Heim­tü­cke – und die Alko­ho­li­sie­rung des Täters

Eine Alko­ho­li­sie­rung des Täters ist auch im Rah­men der erfor­der­li­chen Gesamt­ab­wä­gung bei Prü­fung des Tötungs­vor­sat­zes [1] und des Aus­nut­zungs­be­wusst­seins bei der Heim­tü­cke [2] zu berücksichtigen.

Tötungs­vor­satz, Heim­tü­cke – und die Alko­ho­li­sie­rung des Täters

Der Bun­des­ge­richts­hof weist zudem dar­auf hin, dass in der Straf­zu­mes­sung die Art der Tat­aus­füh­rung einem Ange­klag­ten nur dann ohne Abstri­che straf­schär­fend zur Last gelegt wer­den darf, wenn sie in vol­lem Umfang vor­werf­bar ist, nicht aber, wenn ihre Ursa­che in einer von ihm nicht oder nur ein­ge­schränkt zu ver­tre­ten­den geis­tig-see­li­schen Beein­träch­ti­gung liegt [3].

Die im vor­lie­gen­den Fall von der Straf­kam­mer straf­schär­fend ein­ge­stell­te „Wahl­lo­sig­keit der Gewalt“ und „schnel­le Takt­fre­quenz des mehr­fa­chen Zuste­chens“ sowie das „hohe Maß an Gewalt­be­reit­schaft“ kön­nen auch Aus­druck einer erheb­lich ver­min­der­ten Schuld­fä­hig­keit sein, so dass die­se Umstän­de dem Ange­klag­ten nicht bzw. nicht in vol­lem Umfang vor­werf­bar sind.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Okto­ber 2020 – 4 StR 636/​19

  1. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 17.12.2009 – 4 StR 424/​09, NStZ 2010, 571; Beschlüs­se vom 08.05.2008 – 3 StR 142/​08, BGHR Vor­satz, beding­ter 62; vom 07.11.2002 – 3 StR 216/​02, BGHR Vor­satz, beding­ter 55[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.01.2005 – 4 StR 491/​04, NStZ 2005, 691; vom 09.02.2000 – 3 StR 392/​99, NStZ-RR 2000, 166; vom 13.08.1997 – 3 StR 189/​97, BGHR Heim­tü­cke 26[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 29.11.2011 – 3 StR 375/​11 Rn. 5; vom 31.01.2012 – 3 StR 453/​11, NStZ-RR 2012, 169; vom 08.10.2002 – 5 StR 365/​02, NStZ-RR 2003, 104; Fischer, StGB, 67. Aufl., § 46 Rn. 32a; jeweils mwN[]

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