Tot­schlags­ver­such – und die Fra­ge der Mit­tä­ter­schaft

Mit­tä­ter­schaft im Sin­ne des § 25 Abs. 2 StGB setzt einen gemein­sa­men Tatent­schluss vor­aus, auf des­sen Grund­la­ge jeder Mit­tä­ter einen objek­ti­ven Tat­bei­trag leis­ten muss.

Tot­schlags­ver­such – und die Fra­ge der Mit­tä­ter­schaft

Bei der Betei­li­gung meh­re­rer Per­so­nen, von denen nicht jede sämt­li­che Tat­be­stands­merk­ma­le ver­wirk­licht, ist Mit­tä­ter, wer sei­nen eige­nen Tat­bei­trag so in die Tat ein­fügt, dass er als Teil der Hand­lung eines ande­ren Betei­lig­ten und umge­kehrt des­sen Han­deln als Ergän­zung des eige­nen Tat­an­teils erscheint.

Mit­tä­ter­schaft erfor­dert dabei zwar nicht zwin­gend eine Mit­wir­kung am Kern­ge­sche­hen selbst; aus­rei­chen kann auch ein die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung för­dern­der Bei­trag, der sich auf eine Vor­be­rei­tungs- oder Unter­stüt­zungs­hand­lung beschränkt. Stets muss sich die­se Mit­wir­kung aber nach der Wil­lens­rich­tung des sich Betei­li­gen­den als Teil der Tätig­keit aller dar­stel­len.

Ob danach Mit­tä­ter­schaft anzu­neh­men ist, hat der Tatrich­ter auf­grund einer wer­ten­den Gesamt­be­trach­tung aller fest­ge­stell­ten Umstän­de zu prü­fen 1.

Nach die­sen Maß­stä­ben waren in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall die Vor­aus­set­zun­gen eines mit­tä­ter­schaft­li­chen Tot­schlags­ver­suchs nicht erfüllt, weil es an hin­rei­chen­den Fest­stel­lun­gen zu einem gemein­sa­men Tatent­schluss fehl­te:

Die mit Tötungs­vor­satz geführ­ten Sti­che des Ange­klag­ten gegen den Ober­kör­per des Opfers gin­gen über den zuvor gefass­ten gemein­sa­men Tat­plan, der kei­ne lebens­ge­fähr­li­chen Sti­che vor­sah, hin­aus; inso­weit han­del­te der Ange­klag­te im Exzess. Unmit­tel­bar nach sei­nen Sti­chen, von denen zumin­dest einer traf, flüch­te­te der Ange­klag­te; eine vor oder wäh­rend des Gesche­hens aus­drück­lich oder kon­klu­dent getrof­fe­ne Über­ein­kunft mit dem unbe­kann­ten Angrei­fer dahin, dass in der Fol­ge ein wei­te­rer lebens­ge­fähr­li­cher Stich gegen das Opfer geführt wer­den sol­le, hat das Land­ge­richt nicht fest­ge­stellt.

Auch die Vor­aus­set­zun­gen einer suk­zes­si­ven Mit­tä­ter­schaft sind nach den getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen nicht erfüllt. Sie setzt vor­aus, dass ein wei­te­rer Betei­lig­ter in Kennt­nis und Bil­li­gung des von einem ande­ren begon­ne­nen Han­delns in das tat­be­stands­mä­ßi­ge Gesche­hen als Mit­tä­ter ein­greift und sich mit dem ande­ren vor Been­di­gung der Tat zu gemein­schaft­li­cher wei­te­rer Aus­füh­rung ver­bin­det 2. Dar­an fehlt es hier: Der unbe­kann­te Angrei­fer setz­te den lebens­ge­fähr­li­chen Stich erst nach der Flucht des Ange­klag­ten; eine Über­ein­kunft mit dem Ange­klag­ten hin­sicht­lich des wei­te­ren Sti­ches gegen den Ober­kör­per ist den Urteils­grün­den nicht zu ent­neh­men. Die Erwä­gung des Land­ge­richts, dass auch die­se Hand­lung dem Tat­plan des Ange­klag­ten ent­sprach, trägt die Annah­me von Mit­tä­ter­schaft eben­falls nicht; inso­weit fehlt es bereits an Fest­stel­lun­gen zu einem nach sei­ner Flucht fort­be­stehen­den Tat­plan, zumal denk­bar ist, dass der Ange­klag­te im Moment sei­ner Flucht von sei­nem Tötungs­vor­satz Abstand nahm. Eine bloß ein­sei­ti­ge Kennt­nis­nah­me und Bil­li­gung des bis­he­ri­gen Gesche­hens durch den hin­zu­tre­ten­den unbe­kann­ten Angrei­fer genügt nicht, um dem Ange­klag­ten die wei­te­re Ver­let­zungs­hand­lung zuzu­rech­nen; ein gegen­sei­ti­ges Ein­ver­ständ­nis über die Aus­wei­tung des ursprüng­li­chen Tat­plans ist nicht belegt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Janu­ar 2018 – 3 StR 451/​17

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 15.01.1991 – 5 StR 492/​90, BGHSt 37, 289, 291 mwN; vom 17.10.2002 – 3 StR 153/​02, NStZ 2003, 253, 254; Beschlüs­se vom 02.07.2008 – 1 StR 174/​08, NStZ 2009, 25, 26; vom 04.04.2017 – 3 StR 451/​16 7[]
  2. BGH, Urtei­le vom 25.04.2017 – 5 StR 433/​16, NStZ-RR 2017, 221 f.; vom 16.06.2016 – 3 StR 124/​16 23 f.; vom 28.04.2016 – 4 StR 563/​15, NStZ 2016, 607, 609; vom 07.08.1984 – 1 StR 385/​84, StV 1984, 507; Beschluss vom 31.01.1997 – 2 StR 620/​96, NStZ 1997, 336[]