Tritt gegen das Auto führt zu kör­per­li­cher Gewalt

Jedem moto­ri­sier­ten Ver­kehrs­teil­neh­mer muss vor Augen geführt wer­den, dass kör­per­li­che Gewalt im Stra­ßen­ver­kehr nichts zu suchen hat.

Tritt gegen das Auto führt zu kör­per­li­cher Gewalt

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall eine Gesamt­geld­stra­fe von 4400,00 Euro sowie ein zwei­mo­na­ti­ges Fahr­ver­bot ver­hängt. Der 51jährige Kfz-Mecha­ni­ker aus Mün­chen fuhr mit sei­nem PKW Opel auf der Leo­pold­stra­ße so abrupt in eine Park­bucht am rech­ten Fahr­bahn­rand, dass die in glei­che Rich­tung fah­ren­de geschä­dig­te 26jährige Rad­fah­re­rin aus Ber­lin eine Voll­brem­sung ein­lei­ten muss­te. Als sie ihm einen Vogel zeig­te und auf sein ver­kehrs­wid­ri­ges Ver­hal­ten auf­merk­sam mach­te, zeig­te der Ver­ur­teil­te ihr den Mit­tel­fin­ger. Die Geschä­dig­te trat leicht gegen die Fah­rer­tür des PKW, ohne einen Scha­den zu ver­ur­sa­chen. Der Ver­ur­teil­te stieg aus, schlug ihr mit der Faust gegen den Ober­arm und ging schließ­lich erneut mit den Wor­ten „Ich mach Dich tot“ unter erho­be­ner Faust auf die Geschä­dig­te zu, um sich dann zu Fuß zu ent­fer­nen.

Frü­he­re Ver­hand­lungs­ver­su­che schei­ter­ten, da die Geschä­dig­te nicht erschie­nen war. Der Ver­ur­teil­te bestritt auch in der neu­er­li­chen Straf­ver­hand­lung vom 16.10.2017 die Tat und berief sich auf ein Ali­bi. Er räum­te ledig­lich ein, dass das am Tat­ort gepark­te Fahr­zeug auf sei­ne Ehe­frau zuge­las­sen sei. Die Geschä­dig­te erschien zur Haupt­ver­hand­lung wie­der­um nicht. Sie beleg­te nun durch psy­cho­lo­gi­sches Attest, zum Vor­falls­zeit­punkt in schon weit­ge­hend erfolg­rei­cher Ver­hal­tens­the­ra­pie wegen eines Burn-Out-Syn­droms gewe­sen zu sein. Der Vor­fall habe zu einem Trau­ma mit unter ande­rem pani­schen Ängs­ten, Schlaf‑, Arbeits- und Lern­stö­run­gen geführt. Ihre Psy­cho­lo­gin schätz­te sie als nicht ver­hand­lungs­fä­hig ein. Eine hin­ter der Geschä­dig­ten rad­fah­ren­de wei­te­re unbe­tei­lig­te Zeu­gin schil­der­te die Tat wie vor­ste­hend. Als sie sich schüt­zend vor die Geschä­dig­te gestellt habe, habe sich der Täter ent­fernt, angeb­lich um die Poli­zei zu holen. Sie hat­te ihn bei einer Wahl­licht­bild­vor­la­ge als einen von zwei in Fra­ge kom­men­den Män­nern bezeich­net und gab an, ihn in der heu­ti­gen Ver­hand­lung mit Sicher­heit als dama­li­gen Täter wie­der­zu­er­ken­nen. Er habe immer wie­der geru­fen: „Mein Auto, mein schö­nes Auto“. Die für das Ali­bi benann­te Zeu­gin konn­te nicht aus­schlie­ßen, dass sich der Ver­ur­teil­te zum Tat­zeit­punkt am Tat­ort auf­ge­hal­ten hat­te.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Mün­chen habe sich die Geschä­dig­te auf­grund ihrer nach­voll­zieh­ba­ren Ver­är­ge­rung über die Fahr­wei­se des Ver­ur­teil­ten auch nicht ide­al ver­hal­ten. Das sei zuguns­ten des Kfz-Mecha­ni­kers zu berück­sich­ti­gen. Hin­sicht­lich der Belei­di­gung wer­te­te das Gericht zu sei­nen Guns­ten, dass das Zei­gen des Mit­tel­fin­gers die promp­te Reak­ti­on auf das Vogel­zei­gen war.

Außer­dem sei das zwei­mo­na­ti­ge Fahr­ver­bot zu ver­hän­gen, weil jedem moto­ri­sier­ten Ver­kehrs­teil­neh­mer vor Augen geführt wer­den müs­se, dass kör­per­li­che Gewalt im Stra­ßen­ver­kehr nichts zu suchen habe.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 16. Okto­ber 2017 – 922 Ds 421 Js 195386/​15