Über­haft – und die Haft­prü­fung

Prü­fungs­ge­gen­stand im Haft­prü­fungs­ver­fah­ren ist nur der nach § 122 Abs. 1 StPO vor­ge­leg­te Haft­be­fehl 1.

Über­haft – und die Haft­prü­fung

Hier­an fehlt es, wenn das Gericht einen in einem wei­te­ren – inzwi­schen ver­bun­de­nen – Ver­fah­ren erlas­se­nen Haft­be­fehl aus­drück­lich nicht vor­legt, son­dern auf die­sen in sei­nem Vor­la­ge­be­schluss nur infor­ma­tiv hin­weist.

Dar­über hin­aus ist Vor­aus­set­zung der Haft­prü­fung nach §§ 121, 122 StPO, dass der Haft­be­fehl voll­zo­gen wird. Hier­an fehlt es, wenn Über­haft notiert ist 2.

Ob die Sach­ver­hal­te, die die­sem Haft­be­fehl zugrun­de lie­gen, mit dem in vor­lie­gen­der Sache zu über­prü­fen­den Vor­wurf eine Tat im Sin­ne des § 121 StPO bil­den, bedarf inso­weit kei­ner Ent­schei­dung.

Trotz der zahl­rei­chen im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ergan­ge­nen Haft­ent­schei­dun­gen ist Gegen­stand der Haft­prü­fung aus­schließ­lich der Haft­be­fehl des Amts­ge­richts Frank­furt am Main in sei­ner Fas­sung vom 24.02.2015 und in des­sen Fol­ge aus­schließ­lich der dar­in gegen­über dem Ange­klag­ten erho­be­ne Vor­wurf. Es kann dahin­ste­hen, ob in den ver­schie­de­nen Haft­fort­dau­er­ent­schei­dun­gen des Land­ge­richts Frank­furt am Main und des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main eine Erwei­te­rung des ursprüng­li­chen Haft­be­fehls um den Vor­wurf der Mit­glied­schaft in einer aus­län­di­schen ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung (§ 129a Abs. 1 Nr. 1, § 129b Abs. 1 Sät­ze 1 und 2 StGB) zu sehen ist. Die Ent­schei­dun­gen sind jeden­falls nicht gemäß § 115 StPO ver­kün­det wor­den, der auch auf die Erwei­te­rung des Haft­be­fehls ent­spre­chend anwend­bar ist. Fehlt es an einer ord­nungs­ge­mä­ßen Ver­kün­dung des erwei­ter­ten Haft­be­fehls gemäß § 115 StPO, so darf er in einem Haft­fort­dau­er­be­schluss gemäß §§ 121, 122 StPO nicht berück­sich­tigt wer­den 3. Soweit das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main in der Ver­gan­gen­heit als Haft­prü­fungs­ge­richt gemäß §§ 121, 122 StPO ent­schie­den hat­te, hät­te ihm über­dies auch die Kom­pe­tenz zur Erwei­te­rung oder Anpas­sung des Haft­be­fehls gefehlt 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Juli 2016 – AK 41/​16

  1. KK-Schult­heis, StPO, 7. Aufl., § 121 Rn. 24[][]
  2. vgl. KG, Beschluss vom 11.11.1996 – (4) HEs 160/​96 (116/​96), NStZ-RR 1997, 75; KK-Schult­heis, StPO, 7. Aufl., § 122 Rn. 1; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 59. Aufl., § 121 Rn. 2; Münch­Komm-StPO/Böhm, § 121 Rn. 15[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 20.09.2001 – 2 BvR 1144/​01, NStZ 2002, 157, 158 mwN; KK-Schult­heis, StPO, 7. Aufl., § 121 Rn. 4, 25; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 59. Aufl., § 115 Rn. 11;MünchKomm-StPO/Böhm, § 121 Rn. 11[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 16.10.2014 – AK 31/​14 17; KK-Schult­heis, StPO, 7. Aufl., § 121 Rn. 24a mwN[]