Über­lan­ge Ver­fah­ren – und das immer noch bestehen­de Straf­be­dürf­nis

Die Kri­mi­nal­stra­fe ist im Gegen­satz zur rei­nen Prä­ven­ti­ons­maß­nah­me dadurch gekenn­zeich­net, dass sie – wenn nicht aus­schließ­lich, so doch auch – auf gerech­te Ver­gel­tung für ein recht­lich ver­bo­te­nes Ver­hal­ten abzielt.

Über­lan­ge Ver­fah­ren – und das immer noch bestehen­de Straf­be­dürf­nis

Mit der Stra­fe wird dem Täter ein sozi­al­ethi­sches Fehl­ver­hal­ten vor­ge­wor­fen1. Die ver­fas­sungs­recht­li­che Legi­ti­mi­tät der Ver­hän­gung und Voll­stre­ckung von Stra­fe folgt bereits aus dem Umstand, dass dem jewei­li­gen Täter die Bege­hung der Straf­tat als Fehl­ver­hal­ten indi­vi­du­ell vor­ge­wor­fen wer­den kann2.

Die kon­kret ver­häng­te Stra­fe muss dabei von Ver­fas­sungs wegen in einem gerech­ten Ver­hält­nis zur Schwe­re der Tat und zum Ver­schul­den des Täters ste­hen3.

Soweit gel­tend gemacht word, es bestün­den u.a. auf­grund des lan­gen Zeit­ab­laufs seit Bege­hung der Taten und des voll­stän­dig abge­schlos­se­nen erfolg­rei­chen Reso­zia­li­sie­rungs­pro­zes­ses des Ange­klag­ten kei­ne prä­ven­ti­ven Straf­zwe­cke und damit kein Straf­be­dürf­nis mehr, wird die­se Bedeu­tung der Kri­mi­nal­stra­fe nicht voll­stän­dig erfasst.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. August 2016 – 1 StR 121/​16

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 14.01.2004 – 2 BvR 564/​95, BVerfGE 110, 1, 13 und Urteil vom 19.03.2013 – 2 BvR 2628/​10 u.a., BVerfGE 133, 168, 198
  2. vgl. nur BVerfG, Beschluss vom 09.07.1997 – 2 BvR 1371/​96, BVerfGE 96, 245, 249
  3. vgl. BVerfG jeweils aaO, BVerfGE 96, 245, 249 und BVerfGE 133, 168, 198
  4. vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom…

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