Über­lan­ges Zwi­schen­ver­fah­ren

Ein Zeit­raum von zwei Jah­ren und fünf Mona­ten zwi­schen Ein­gang der Akte beim Land­ge­richt und dem Eröff­nungs­be­schluss ent­spricht nicht dem Gebot sach­ge­rech­ter Ver­fah­rens­för­de­rung.

Über­lan­ges Zwi­schen­ver­fah­ren

Dass der Straf­kam­mer eine „zei­ti­ge­re Ent­schei­dung über die Eröffnung…insbesondere“ des­we­gen nicht mög­lich gewe­sen sei, weil sie „gera­de in den Jah­ren 2017 und 2018 ?… mit zahl­rei­chen vor­ran­gig zu behan­deln­den Haft­sa­chen stark belas­tet war“, kann gegen­über dem Ange­klag­ten eine ver­zö­ger­te Sach­be­hand­lung nicht recht­fer­ti­gen.

Der Umstand, dass sich der Ange­klag­te zu die­ser Zeit nicht in Haft befun­den hat, recht­fer­tigt es nicht, eine beim Land­ge­richt anhän­gi­ge Straf­sa­che eine solch lan­ge Zeit – zwei Jah­re und fünf Mona­te – unbe­ar­bei­tet zu las­sen [1].

Im hier ent­schie­de­nen Fall traf der Bun­des­ge­richts­hof daher eine Kom­pen­sa­ti­ons­ent­schei­dung [2] und stell­te auf der Grund­la­ge der Voll­stre­ckungs­lö­sung [3] fest, dass zwei Mona­te der ver­häng­ten Gesamt­frei­heits­stra­fe als Ent­schä­di­gung für die über­lan­ge Ver­fah­rens­dau­er als voll­streckt gel­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Juli 2020 – 1 StR 132/​20

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 18.02.2015 – 2 StR 523/​14 Rn. 3[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 01.08.2018 – 5 StR 320/​18 Rn. 3 mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 17.01.2008 – GSSt 1/​07, BGHSt 52, 124, 135 ff.[]