Über­schul­dung und Zah­lungs­un­fä­hig­keit – effek­tiv ver­steck­te Ver­mö­gens­wer­te

Bei der Vor­schrift des § 283 StGBBank­rott – han­delt es sich um ein ech­tes Son­der­de­likt. Täter, Mit­tä­ter oder mit­tel­ba­rer Täter kann daher grund­sätz­lich nur die Per­son sein, die für die Erfül­lung der Ver­bind­lich­keit haf­tet; dies gilt sowohl für die Bege­hungs­wei­se des Abs. 1 als auch für die des Abs. 2 der Norm. Bei der Pflich­ten­stel­lung han­delt es sich um eine sol­che höchst­per­sön­li­cher Art und mit­hin um ein beson­de­res per­sön­li­ches Merk­mal gemäß § 28 Abs. 1 StGB.

Über­schul­dung und Zah­lungs­un­fä­hig­keit – effek­tiv ver­steck­te Ver­mö­gens­wer­te

Anlass für die­se Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs, bei der sich der Bun­des­ge­richts­hof auch zum Umgang mit effek­tiv ver­steck­ten Ver­mö­gens­wer­ten bei der Begrün­dung der Über­schul­dung oder Zah­lungs­un­fä­hig­keit äußer­te, war das Straf­ver­fah­ren gegen einen der Hel­fer des ehe­ma­li­gen Rüs­tungs­staats­se­kre­tärs Pfahls.

Im Rah­men der Prü­fung einer Bank­rott­straf­tat sind weder die durch die abge­ur­teil­ten Bank­rott­hand­lun­gen noch die mög­li­cher­wei­se bereits zuvor durch Ver­schleie­rung und Ände­rung der recht­li­chen Zuord­nung effek­tiv ver­steck­ten Ver­mö­gens­wer­te zu berück­sich­ti­gen 1, denn hier­durch wur­de ein als­bal­di­ger Zugriff mög­li­cher Gläu­bi­ger jeden­falls erheb­lich erschwert, wenn nicht sogar objek­tiv unmög­lich gemacht 2. Wür­de man sol­che – hier bis heu­te nicht auf­ge­deck­ten, von der Straf­kam­mer nur als mög­lich behan­del­ten – Ver­mö­gens­wer­te bei der Begrün­dung der Über­schul­dung oder Zah­lungs­un­fä­hig­keit einer natür­li­chen Per­son als Akti­va bzw. als liqui­de Mit­tel ein­stel­len, wür­de die Tat­be­stands­vor­aus­set­zung der Kri­se im Sin­ne des § 283 Abs. 2 StGB kaum je anzu­neh­men sein, obwohl der Schuld­ner Ver­mö­gens­wer­te dem Zugriff sei­ner aktu­el­len Gläu­bi­ger ent­zo­gen hat 3. Dies wäre mit dem durch die Vor­schrift zu schüt­zen­den Rechts­gut der Inter­es­sen die­ser Gläu­bi­ger an einer voll­stän­di­gen oder mög­lichst hohen Befrie­di­gung ihrer ver­mö­gens­recht­li­chen Ansprü­che nicht zu ver­ein­ba­ren 4.

Der Gehil­fen­vor­satz umschließt den beding­ten Vor­satz hin­sicht­lich der vom Haupt­tä­ter vor­ge­nom­me­nen Tat­hand­lung des Ver­heim­li­chens. Dass dem­ge­gen­über kei­ne kon­kre­te Kennt­nis des Gehil­fen von der Abga­be der (fal­schen) eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung des Haupttät­ters fest­ge­stellt ist, ist unschäd­lich. Denn die­se begrün­det hier die gemäß § 283 Abs. 6 StGB erfor­der­li­che objek­ti­ve Bedin­gung der Straf­bar­keit, auf die sich der Vor­satz des Teil­neh­mers nicht zu bezie­hen braucht.

Bei der Vor­schrift des § 283 StGB han­delt es sich um ein ech­tes Son­der­de­likt. Täter, Mit­tä­ter oder mit­tel­ba­rer Täter kann daher grund­sätz­lich nur die Per­son sein, die für die Erfül­lung der Ver­bind­lich­keit haf­tet 5; dies gilt sowohl für die Bege­hungs­wei­se des Abs. 1 als auch für die des Abs. 2 der Norm. Bei die­ser Pflich­ten­stel­lung han­delt es sich – anders als bei der nach § 370 AO 6 – um eine sol­che höchst­per­sön­li­cher Art und mit­hin um ein beson­de­res per­sön­li­ches Merk­mal gemäß § 28 Abs. 1 StGB 7.

Ist nicht allein schon wegen des Feh­lens des straf­be­grün­den­den per­sön­li­chen Merk­mals Bei­hil­fe statt Täter­schaft ange­nom­men wor­den 8, ist der Straf­rah­men für den Teil­neh­mer gemäß § 28 Abs. 1, § 49 Abs. 1 StGB zu mil­dern 9.

Hier bele­gen die Urteils­aus­füh­run­gen, dass das Land­ge­richt die Art und Wei­se des Tat­bei­trags zum Anlass genom­men hat, den Ange­klag­ten H. ledig­lich wegen Bei­hil­fe zu ver­ur­tei­len. Die wei­te­re Straf­rah­men­mil­de­rung nach § 28 Abs. 1 StGB hät­te daher erör­tert wer­den müs­sen. Der Bun­des­ge­richts­hof kann ange­sichts der Ein­zel­straf­hö­he von zwei Jah­ren und neun Mona­ten ein Beru­hen des Straf­aus­spruchs auf die­sem Unter­las­sen nicht aus­schlie­ßen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Janu­ar 2013 – 1 StR 234/​12

  1. vgl. BGH, Urteil vom 22.02.2001 – 4 StR 421/​00, BGHR StGB § 283 Abs. 1 Nr. 1 Bei­sei­te­schaf­fen 4[]
  2. vgl. zu die­sem Maß­stab BGH, Urteil vom 29.04.2010 – 3 StR 314/​09, BGHSt 55, 107, 113[]
  3. vgl. OLG Frank­furt NStZ 1997, 551[]
  4. vgl. zu die­sem Schutz­zweck BVerfG, Beschluss vom 28.08.2003 – 2 BvR 704/​01[]
  5. BGH, Beschluss vom 10.02.2009 – 3 StR 372/​08, vgl. auch Urteil vom 10.05.2000 – 3 StR 101/​00[]
  6. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 25.01.1995 – 5 StR 491/​94, BGHSt 41, 1, 4[]
  7. vgl. hier­zu Rad­tke in Mün­che­ner Kom­men­tar, StGB, 2006, § 283 Rn. 80[]
  8. BGH, Beschluss vom 08.01.1975 – 2 StR 567/​74, BGHSt 26, 53, 54; BGH, Beschluss vom 01.03.2005 – 2 StR 507/​04, NStZ-RR 2006, 106; zu weit­ge­hend hier­zu Tie­de­mann in Leip­zi­ger Kom­men­tar, StGB, 12. Aufl., § 283 Rn. 228[]
  9. vgl. BGH, Beschluss vom 08.09.1994 – 1 StR 169/​94; offen gelas­sen in BGH, Urteil vom 25.01.1995 – 5 StR 491/​94, BGHSt 41, 1, 2; Rein­hart in Graf/​Jäger/​Wittig, Wirt­schafts- und Steu­er­straf­recht, 2011, § 283 StGB Rn. 75; für Abs. 1 auch Fischer, StGB, 60. Aufl., § 283 Rn. 38; a.A. Lackner/​Kühl, StGB, 27. Aufl., § 283 Rn. 25[]