Über­set­zer­ver­gü­tung im Straf­ver­fah­ren

Für die Über­set­zung von Tex­ten, die zwar in elek­tro­ni­scher, aber nicht edi­tier­ba­rer Form zur Ver­fü­gung gestellt wer­den, steht dem Über­set­zer ein erhöh­tes Hono­rar nach § 11 Abs. 1 Satz 2 JVEG zu.

Über­set­zer­ver­gü­tung im Straf­ver­fah­ren

Die Auf­fas­sung, dass das erhöh­te Hono­rar nach § 11 Abs. 1 Satz 2 JVEG nur fäl­lig wer­de, wenn der zu über­set­zen­de Text in nicht­elek­tro­ni­scher Form zur Ver­fü­gung gestellt wer­de, ist zwar mit dem Wort­laut, nicht aber mit dem Wil­len des Gesetz­ge­bers und dem Sinn und Zweck der Rege­lung des § 11 Abs. 1 Satz 2 JVEG in Ein­klang zu brin­gen.

Wür­de sich das Wort "nicht" allein auf das dem fol­gen­de Wort "elek­tro­nisch" bezie­hen 1, wür­de die gesetz­li­che Rege­lung in zwei­er­lei Hin­sicht kei­nen nach­voll­zieh­ba­ren Sinn erge­ben. Denn ein nicht­elek­tro­ni­scher, aber gleich­wohl edi­tier­ba­rer Text ist zum einen kaum vor­stell­bar.

Zum ande­ren recht­fer­tigt erst die Edi­tier­bar­keit von Tex­ten auf­grund der damit ver­bun­de­nen Erleich­te­rung bei der Über­set­zung eine gerin­ge­re Ver­gü­tung. Dem­entspre­chend woll­te der Gesetz­ge­ber die Unter­schei­dung zwi­schen Grund­ho­no­rar und erhöh­tem Hono­rar auch nicht in ers­ter Linie dar­an fest­ma­chen, ob die zu über­set­zen­den Tex­te elek­tro­nisch oder nicht elek­tro­nisch über­mit­telt wer­den, son­dern ob sie edi­tier­bar sind oder nicht 2.

Die Beden­ken der Staats­kas­se, dass auf­grund der regel­mä­ßig nur in Schrift­form zur Ver­fü­gung gestell­ten Tex­te ein Anspruch der Über­set­zer auf das erhöh­te Hono­rar ent­ste­hen wür­de, hat der Gesetz­ge­ber erkannt 3, gleich­wohl nicht zum Anlass genom­men, von der jet­zi­gen Rege­lung abzu­wei­chen, weil ansons­ten kon­se­quen­ter­wei­se die Hono­rar­sät­ze ent­spre­chend zu erhö­hen gewe­sen wären 4.

Dem­nach müs­sen die Vor­aus­set­zun­gen der elek­tro­ni­schen Zur­ver­fü­gung­stel­lung und der Edi­tier­bar­keit kumu­la­tiv vor­lie­gen, damit kein erhöh­tes Hono­rar zu zah­len ist.

Die­se Aus­le­gung ist auch mit dem Wort­laut des § 11 Abs. 1 Satz 2 JVEG ver­ein­bar, indem das "nicht" auf die gesam­te Ter­mi­no­lo­gie der "elek­tro­nisch zur Ver­fü­gung gestell­ten edi­tier­ba­ren" Tex­te Bezug nimmt. Hät­te der Gesetz­ge­ber for­mu­liert, dass bei elek­tro­nisch zur Ver­fü­gung gestell­ten edi­tier­ba­ren Tex­ten nur das Grund­ho­no­rar in Ansatz zu brin­gen wäre, wäre dies aus Ver­ständ­nis­zwe­cken sicher­lich zu begrü­ßen gewe­sen. Indem der Gesetz­ge­ber sich dazu ent­schie­den hat, die­se Aus­sa­ge in nega­ti­ve Form ein­zu­klei­den und zum erhöh­ten Hono­rar in Bezug zu set­zen, wird eine inhalt­li­che Abän­de­rung der Rege­lung jedoch nicht vor­ge­nom­men.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 19. Dezem­ber 2013 – 1 Ws 535/​13

  1. so Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze, 43. Aufl., § 11 JVEG, Rdnr. 6[]
  2. vgl. BT-Drs. 17/​11471, S. 261 u. 354[]
  3. vgl. BT-Drs. 17/​11471, S. 323[]
  4. vgl. BT-Drs. 17/​11471, S. 354[]