Unbe­en­de­ter Ver­such – und die Vor­stel­lung des Täters über die Fol­gen sei­nes Han­delns

Für die Abgren­zung eines unbe­en­de­ten vom been­de­ten Ver­such kommt es dar­auf an, ob der Täter nach der letz­ten von ihm vor­ge­nom­me­nen Aus­füh­rungs­hand­lung den Ein­tritt des tat­be­stands­mä­ßi­gen Erfol­ges für mög­lich hielt1 oder sich – nach beson­ders gefähr­li­chen Gewalt­hand­lun­gen, die zu schwe­ren Ver­let­zun­gen geführt haben – kei­ne Vor­stel­lun­gen über die Fol­gen sei­nes Han­delns mach­te2.

Unbe­en­de­ter Ver­such – und die Vor­stel­lung des Täters über die Fol­gen sei­nes Han­delns

Die Annah­me eines unbe­en­de­ten Ver­suchs setzt gera­de bei beson­ders gefähr­li­chen Gewalt­hand­lun­gen eines mit beding­tem Tötungs­vor­satz han­deln­den Täters vor­aus, dass Umstän­de fest­ge­stellt wer­den, die im Rah­men einer Gesamt­wür­di­gung aller objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Ele­men­te der Tat – wie sie auch schon bei der Prü­fung des beding­ten Vor­sat­zes rele­vant waren – die Wer­tung zulas­sen, er habe nach Been­di­gung sei­ner Tat­hand­lung den töd­li­chen Erfolg nicht mehr für mög­lich gehal­ten3.

Soweit der Rich­ter zu Guns­ten des Ange­klag­ten auf den Zwei­fels­satz zurück­greift, kann dies zwar auch im Rah­men der Bewer­tung des Rück­tritts­ho­ri­zonts ver­an­lasst sein. Aber der Zwei­fels­satz nötigt nicht dazu, inne­re Tat­sa­chen zu Guns­ten des Ange­klag­ten zu unter­stel­len, für die es kei­ne Anhalts­punk­te gibt4.

Erst müs­sen alle maß­geb­li­chen objek­ti­ven Umstän­de zusam­men­fas­send gewür­digt wer­den. Kön­nen danach immer noch kei­ne ein­deu­ti­gen Fest­stel­lun­gen getrof­fen wer­den, ist der Zwei­fels­grund­satz anzu­wen­den5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Dezem­ber 2015 – 1 StR 457/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 19.05.1993 – GSSt 1/​93, BGHSt 39, 221, 227 f. mwN
  2. vgl. BGH, Urteil vom 02.11.1994 – 2 StR 449/​94, BGHSt 40, 304, 316
  3. BGH, Urtei­le vom 08.12 2010 – 2 StR 536/​10, NStZ 2011, 209; und vom 28.05.2013 – 3 StR 78/​13
  4. BGH, Beschluss vom 14.08.2013 – 4 StR 308/​13 mwN
  5. BGH, Beschluss vom 22.05.2013 – 4 StR 170/​13, NStZ 2013, 703, 704 f.