Uner­laub­te Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln – und die Mit­tä­ter

Der Tat­be­stand der uner­laub­ten Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln erfor­dert kei­nen eigen­hän­di­gen Trans­port der Betäu­bungs­mit­tel über die Gren­ze, so dass Mit­tä­ter nach § 25 Abs. 2 StGB grund­sätz­lich auch ein Betei­lig­ter sein kann, der das Rausch­gift nicht selbst in das Inland ver­bringt.

Uner­laub­te Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln – und die Mit­tä­ter

Vor­aus­set­zung dafür ist nach den auch hier gel­ten­den Grund­sät­zen des all­ge­mei­nen Straf­rechts aber ein die Tat­be­ge­hung objek­tiv för­dern­der Bei­trag, der sich als ein Teil der Tätig­keit aller dar­stellt und der die Hand­lun­gen der ande­ren als Ergän­zung des eige­nen Tat­an­teils erschei­nen lässt. Hier­zu ist eine wer­ten­de Gesamt­be­trach­tung erfor­der­lich 1.

Von beson­de­rer Bedeu­tung sind dabei der Grad des eige­nen Inter­es­ses am Tat­er­folg, der Ein­fluss bei der Vor­be­rei­tung der Tat und der Tat­pla­nung, der Umfang der Tat­be­tei­li­gung und die Teil­ha­be an der Tat­herr­schaft oder jeden­falls der Wil­le dazu, so dass die Durch­füh­rung und der Aus­gang der Tat maß­geb­lich auch von dem Wil­len des Betref­fen­den abhän­gen.

Ent­schei­den­der Bezugs­punkt ist der Ein­fuhr­vor­gang selbst 2. Das blo­ße Inter­es­se an des­sen Gelin­gen genügt nicht, wenn der Betref­fen­de kei­ne Tat­herr­schaft oder zumin­dest Tat­herr­schafts­wil­len hat 3.

Nach die­sen Grund­sät­zen konn­te in dem hier ent­schie­de­nen Fall die land­ge­richt­li­che Ver­ur­tei­lung jeweils wegen mit­tä­ter­schaft­li­cher uner­laub­ter Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge vor dem Bun­des­ge­richts­hof kei­nen Bestand haben. Die rechts­feh­ler­frei getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts beschrän­ken sich dar­auf, dass die Ange­klag­ten zwar wuss­ten, dass die Betäu­bungs­mit­tel in dem wei­te­ren Kurier­fahr­zeug ein­ge­baut waren und mit­be­kom­men haben dürf­ten, dass der Mit­an­ge­klag­te M. den Kurier wäh­rend der Fahrt per Mobil­te­le­fon "steu­er- te"; wei­te­re Umstän­de, aus denen sich ein gewis­ser Ein­fluss der Ange­klag­ten B. und D. auf den Ein­fuhr­vor­gang als sol­chen erge­ben wür­de – etwa die Fest­le­gung der ein­zu­hal­ten­den Fahr­rou­te, tele­fo­ni­sche Anwei­sun­gen an den Kurier oder ähn­li­ches – hat das Land­ge­richt eben­so wenig fest­ge­stellt wie sons­ti­ge Umstän­de, die den Täter­wil­len hin­sicht­lich der Ein­fuhr trag­fä­hig begrün­den. Der vom Land­ge­richt als wesent­lich ange­se­he­ne Tat­bei­trag der anschlie­ßen­den Lage­rung der Betäu­bungs­mit­tel durch die Ange­klag­ten und die gemein­sa­me Ver­kaufs­ab­sicht wei­sen nicht den hier erfor­der­li­chen Bezug zum Ein­fuhr­vor­gang selbst auf. Auch der – nicht unbe­denk­li­che – Erfah­rungs­satz, wonach "zu der Abwick­lung von Dro­gen­ge­schäf­ten in der vor­lie­gen­den Grö­ßen­ord­nung in aller Regel wei­te­re Per­so­nen mit­ge­nom­men wer­den, da zunächst eine grö­ße­re Men­ge Geld, anschlie­ßend grö­ße­re Men­gen Betäu­bungs­mit­tel vor­han­den sind", die zu schüt­zen sei­en, recht­fer­tigt nach den oben dar­ge­stell­ten Grund­sät­zen kei­ne ande­re Beur­tei­lung. Ein maß­geb­li­ches Abhän­gen der Durch­füh­rung und des Aus­gangs der Ein­fuhr der Betäu­bungs­mit­tel auch vom Wil­len der Ange­klag­ten B. und D. lässt sich aus den Fest­stel­lun­gen damit nicht ablei­ten. Die­se recht­fer­ti­gen gege­be­nen­falls eine Ver­ur­tei­lung der Ange­klag­ten wegen (tat­ein­heit­li­cher) Bei­hil­fe zur Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge 4. Es erscheint jedoch nicht aus­ge­schlos­sen, dass der neue Tatrich­ter im Rah­men einer neu­en Haupt­ver­hand­lung Fest­stel­lun­gen tref­fen kann, die eine Ver­ur­tei­lung wegen mit­tä­ter­schaft­li­cher Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge recht­fer­ti­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Juni 2017 – 2 StR 57/​16

  1. BGH, Beschluss vom 14.02.2017 – 4 StR 578/​16, NStZ-RR 2017, 146 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 03.05.2017 – 2 StR 364/​16; und vom 15.03.2017 – 2 StR 23/​16 jew. mwN[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 08.09.2016 – 1 StR 232/​16, StV 2017, 295 f.; und vom 02.06.2016 – 1 StR 161/​16, StV 2017, 285, 286[]
  4. BGH, Beschlüs­se vom 24.04.1997 – 4 StR 151/​97, StV 1998, 598; vom 22.04.1997 – 4 StR 133/​97, StV 1998, 597; und vom 22.03.1991 – 3 StR 34/​91, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Ein­fuhr 21[]