Unmit­tel­ba­re Täter­schaft

Nach § 25 Abs. 1 Alter­na­ti­ve 1 StGB wird als Täter bestraft, wer die Straf­tat selbst begeht, also in sei­ner Per­son alle Tat­be­stands­merk­ma­le rechts­wid­rig und schuld­haft ver­wirk­licht.

Unmit­tel­ba­re Täter­schaft

Nach ihrer Fas­sung bezieht sich die Vor­schrift zwar nur auf die Allein­tä­ter­schaft; sie gilt jedoch auch für den­je­ni­gen, der gemein­sam mit ande­ren an der Straf­tat betei­ligt ist und dabei selbst sämt­li­che Tat­be­stands­merk­ma­le rechts­wid­rig und schuld­haft ver­wirk­licht. Auch er ist als unmit­tel­ba­rer Täter im Sin­ne des § 25 Abs. 1 Alter­na­ti­ve 1 StGB anzu­se­hen, selbst wenn er unter dem Ein­fluss eines ande­ren oder nur in des­sen Inter­es­se han­delt 1.

Der Bun­des­ge­richts­hof brauch­te dabei hier nicht dar­über zu befin­den, ob dar­an fest­zu­hal­ten ist, dass in "extre­men Aus­nah­me­fäl­len" Abwei­chen­des denk­bar sein mag 2. Denn ein extre­mer Aus­nah­me­fall, wel­cher der Annah­me einer unmit­tel­ba­ren Täter­schaft des Ange­klag­ten trotz eigen­hän­di­ger Ver­wirk­li­chung aller Tat­be­stands­merk­ma­le ent­ge­gen­ste­hen könn­te, lag im hier ent­schie­de­nen Fall ersicht­lich nicht vor.

Die unmit­tel­ba­re Täter­schaft des Ange­klag­ten in Bezug auf die schwe­re Frei­heits­be­rau­bung (§ 239 Abs. 3 Nr. 1 StGB) und das Kriegs­ver­bre­chen gegen huma­ni­tä­re Ope­ra­tio­nen (§ 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 VStGB) ergibt sich dar­aus, dass der Ange­klag­te die Tat­be­stands­merk­ma­le die­ser Delikts­tat­be­stän­de durch sein Ver­hal­ten selbst ver­wirk­licht hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. August 2018 – 3 StR 149/​18

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 26.11.1986 – 3 StR 107/​86, NStZ 1987, 224, 225; vom 11.09.1990 – 1 StR 390/​90, BGHR StGB § 178 Abs. 1 Mit­tä­ter 1; vom 22.07.1992 – 3 StR 35/​92, BGHSt 38, 315, 316 f.; vom 25.05.1994 – 3 StR 79/​94, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Ein­fuhr 34[]
  2. so BGH, Urteil vom 22.07.1992 – 3 StR 35/​92, BGHSt 38, 315, 316; kri­tisch inso­weit etwa Roxin, Täter­schaft und Tat­herr­schaft, 9. Aufl., S. 546 ff.; Lackner/​Kühl, StGB, 29. Aufl., § 25 Rn. 1, jeweils mwN[]