Unmittelbare Täterschaft

6. November 2018 | Strafrecht
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Nach § 25 Abs. 1 Alternative 1 StGB wird als Täter bestraft, wer die Straftat selbst begeht, also in seiner Person alle Tatbestandsmerkmale rechtswidrig und schuldhaft verwirklicht.

Nach ihrer Fassung bezieht sich die Vorschrift zwar nur auf die Alleintäterschaft; sie gilt jedoch auch für denjenigen, der gemeinsam mit anderen an der Straftat beteiligt ist und dabei selbst sämtliche Tatbestandsmerkmale rechtswidrig und schuldhaft verwirklicht. Auch er ist als unmittelbarer Täter im Sinne des § 25 Abs. 1 Alternative 1 StGB anzusehen, selbst wenn er unter dem Einfluss eines anderen oder nur in dessen Interesse handelt1.

Der Bundesgerichtshof brauchte dabei hier nicht darüber zu befinden, ob daran festzuhalten ist, dass in “extremen Ausnahmefällen” Abweichendes denkbar sein mag2. Denn ein extremer Ausnahmefall, welcher der Annahme einer unmittelbaren Täterschaft des Angeklagten trotz eigenhändiger Verwirklichung aller Tatbestandsmerkmale entgegenstehen könnte, lag im hier entschiedenen Fall ersichtlich nicht vor.

Die unmittelbare Täterschaft des Angeklagten in Bezug auf die schwere Freiheitsberaubung (§ 239 Abs. 3 Nr. 1 StGB) und das Kriegsverbrechen gegen humanitäre Operationen (§ 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 VStGB) ergibt sich daraus, dass der Angeklagte die Tatbestandsmerkmale dieser Deliktstatbestände durch sein Verhalten selbst verwirklicht hat.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 23. August 2018 – 3 StR 149/18

  1. vgl. BGH, Urteile vom 26.11.1986 – 3 StR 107/86, NStZ 1987, 224, 225; vom 11.09.1990 – 1 StR 390/90, BGHR StGB § 178 Abs. 1 Mittäter 1; vom 22.07.1992 – 3 StR 35/92, BGHSt 38, 315, 316 f.; vom 25.05.1994 – 3 StR 79/94, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Einfuhr 34
  2. so BGH, Urteil vom 22.07.1992 – 3 StR 35/92, BGHSt 38, 315, 316; kritisch insoweit etwa Roxin, Täterschaft und Tatherrschaft, 9. Aufl., S. 546 ff.; Lackner/Kühl, StGB, 29. Aufl., § 25 Rn. 1, jeweils mwN

 
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