Unmit­tel­ba­res Anset­zen zur Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung

Das unmit­tel­ba­re Anset­zen zur Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung besteht in einem Ver­hal­ten des Täters, das nach sei­ner Vor­stel­lung in unge­stör­tem Fort­gang ohne Zwi­schen­ak­te zur – voll­stän­di­gen – Tat­be­stands­er­fül­lung führt oder im unmit­tel­ba­ren räum­li­chen und zeit­li­chen Zusam­men­hang in sie ein­mün­det.

Unmit­tel­ba­res Anset­zen zur Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung

Die­se Vor­aus­set­zung kann schon gege­ben sein, bevor der Täter eine der Beschrei­bung des gesetz­li­chen Tat­be­stan­des ent­spre­chen­de Hand­lung vor­nimmt; regel­mä­ßig genügt es aller­dings, wenn der Täter ein Merk­mal des gesetz­li­chen Tat­be­stan­des ver­wirk­licht.

Es muss aber immer das, was er zur Ver­wirk­li­chung sei­nes Vor­ha­bens unter­nimmt, zu dem in Betracht kom­men­den Straf­tat­be­stand in Bezie­hung gesetzt wer­den [1].

An einem unmit­tel­ba­ren Anset­zen kann es daher – aus­nahms­wei­se – trotz der Ver­wirk­li­chung eines Tat­be­stands­merk­mals feh­len, wenn der Täter damit noch nicht zu der die Straf­bar­keit begrün­den­den eigent­li­chen Rechts­ver­let­zung ansetzt. Ob dies der Fall ist oder ob er sich noch im Sta­di­um der Vor­be­rei­tung befin­det, hängt von sei­ner Vor­stel­lung über das „unmit­tel­ba­re Ein­mün­den“ sei­ner Hand­lun­gen in die Erfolgs­ver­wirk­li­chung ab.

Gegen das Über­schrei­ten der Schwel­le zum Ver­such spricht des­halb im All­ge­mei­nen, dass es zur Her­bei­füh­rung des vom Gesetz vor­aus­ge­setz­ten Erfol­ges noch eines wei­te­ren – neu­en – Wil­lens­im­pul­ses bedarf [2].

Bezo­gen auf die Fra­ge, wann bei einem – wie hier nach § 244a StGB – qua­li­fi­zier­ten Delikt das Ver­suchs­sta­di­um beginnt, decken sich die­se Grund­sät­ze mit der im Schrift­tum vor­herr­schen­den Auf­fas­sung, dass die Unmit­tel­bar­keit nur dann zu beja­hen ist, wenn der Täter mit sei­ner Hand­lung zugleich zur Ver­wirk­li­chung des Grund­de­lik­tes ansetzt [3], im Rah­men des § 244a StGB mit­hin zur Weg­nah­me [4].

Nach die­sen Maß­stä­ben hat­ten die Ange­klag­ten im vor­lie­gen­den Fall in der vom erst­in­stanz­li­chen Land­ge­richt als mög­lich erach­te­ten Vari­an­te, wonach der Tre­sor erst spä­ter auf­ge­brannt wer­den soll­te, noch nicht unmit­tel­bar zum schwe­ren Ban­den­dieb­stahl ange­setzt. Zwar war einer der Ange­klag­ten bereits gewalt­sam in die Spar­kas­se ein­ge­drun­gen und hat­te damit die im Rah­men von § 244a Abs. 1 StGB zum Tat­be­stands­merk­mal erho­be­ne Vor­aus­set­zung des Ein­bre­chens in einen Geschäfts­raum (§ 243 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 StGB) erfüllt. Um die Weg­nah­me des Gel­des durch­füh­ren zu kön­nen, hät­ten die Ange­klag­ten als wei­te­re wesent­li­che Zwi­schen­schrit­te aber erst noch umfang­rei­ches Werk­zeug in die Bank schaf­fen und den Geld­au­to­ma­ten auf­bren­nen müs­sen. Ange­sichts der in zeit­li­cher Hin­sicht deut­li­chen Zäsur zwi­schen dem ers­ten Sta­di­um und der geplan­ten Fort­set­zung des Tat­plans erfor­der­te die­se einen wei­te­ren, eigen­stän­di­gen Wil­lens­ent­schluss. Die bis zum Zeit­punkt der Fest­nah­me der Ange­klag­ten durch­ge­führ­ten Akti­vi­tä­ten stell­ten inso­weit nur – wenn­gleich wesent­li­che – Vor­be­rei­tungs­maß­nah­men dar.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. August 2014 – 3 StR 105/​14

  1. BGH, Urteil vom 16.01.1991 – 2 StR 527/​90, BGHSt 37, 294, 296; Beschluss vom 12.01.2011 – 1 StR 540/​10, NStZ 2011, 400, 401; vgl. auch BGH, Urteil vom 20.03.2014 – 3 StR 424/​13, NStZ 2014, 447, 448[]
  2. BGH, Urteil vom 21.12 1982 – 1 StR 662/​82, BGHSt 31, 178, 182[]
  3. Gös­sel, ZIS 2011, 386, 389 mwN; Beck­OK v.Heintschel-Heinegg/Beckemper, StGB, § 22 Rn. 43; LK/​Hillenkamp, StGB, 12. Aufl., § 22 Rn. 123; NK-StGB-Zac­zyk, 4. Aufl., § 22 Rn. 53; S/​S‑Eser/​Bosch, StGB, 29. Aufl., § 22 Rn. 58[]
  4. LK/​Vogel, StGB, 12. Aufl., § 244a Rn. 9; Münch­Komm-StGB/­Schmitz, 2. Aufl., § 244a Rn. 10; zu § 244 StGB vgl. Lackner/​Kühl, StGB, 28. Aufl., § 244 Rn. 11[]