Unter­brin­gung in der Ent­zie­hungs­an­stalt – und die feh­len­den Erfolgs­aus­sich­ten

Ange­sichts außer­or­dent­lich ungüns­ti­ger Umstän­de, die gegen einen mehr als nur kurz­fris­ti­gen Behand­lungs­er­folg spre­chen 1, ist allei­ne die vom Ange­klag­ten gegen­über der Sach­ver­stän­di­gen bekun­de­te The­ra­pie­be­reit­schaft nicht geeig­net, eine kon­kre­te Erfolgs­aus­sicht der ange­ord­ne­ten Maß­re­gel im Sin­ne des § 64 Satz 2 StGB zu begrün­den.

Unter­brin­gung in der Ent­zie­hungs­an­stalt – und die feh­len­den Erfolgs­aus­sich­ten

Wenn­gleich nicht jedes Risi­ko, dass in einer Ent­zie­hungs­an­stalt ein nach­hal­ti­ger Behand­lungs­er­folg nicht erzielt wird, zugleich bedeu­tet, dass kei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Erfolgs­aus­sicht besteht 2, hät­te es der ein­ge­hen­den Dar­le­gung der für eine hin­rei­chend kon­kre­te Erfolgs­aus­sicht spre­chen­den Gesichts­punk­te unter Mit­tei­lung der dies­be­züg­li­chen Aus­füh­run­gen der von der Straf­kam­mer hin­zu­ge­zo­ge­nen psych­ia­tri­schen Sach­ver­stän­di­gen bedurft 3. Die Straf­kam­mer wäre gehal­ten gewe­sen, das Risi­ko eines Schei­terns der Behand­lung – als mehr oder weni­ger hoch bzw. gering – zu gewich­ten, um die Behand­lungs­aus­sich­ten nach­voll­zieh­bar zu bewer­ten. Dabei wären die im Urteils­zeit­punkt gege­be­nen pro­gno­se­güns­ti­gen Fak­to­ren (bekun­de­te The­ra­pie­be­reit­schaft, rela­tiv gute Deutsch­kennt­nis­se) gegen die pro­gno­se­ungüns­ti­gen Fak­to­ren (lang­jäh­ri­ge Dro­gen­ab­hän­gig­keit, wie­der­hol­te Inhaf­tie­rung, mehr­fa­che erfolg­lo­se Lang­zeit­the­ra­pi­en, feh­len­der sozia­ler Emp­fangs­raum und beruf­li­che Per­spek­tiv­lo­sig­keit) in die Beur­tei­lung ein­zu­be­zie­hen gewe­sen.

Einer ein­ge­hen­den Aus­ein­an­der­set­zung mit der Erfolgs­pro­gno­se hät­te es im vor­lie­gen­den Fall ins­be­son­de­re auch des­halb bedurft, weil der Ange­klag­te pri­mär eine Zurück­stel­lung nach § 35 BtMG erstrebt, die Sach­ver­stän­di­ge eine The­ra­pie­not­wen­dig­keit von zwei Jah­ren pro­gnos­ti­ziert und die Straf­kam­mer ledig­lich eine Begleit­stra­fe von zwei Jah­ren und sechs Mona­ten ver­hängt hat. Unter Berück­sich­ti­gung der bereits voll­streck­ten sie­ben Mona­te Unter­su­chungs- und der noch erfor­der­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­haft wür­de die erwar­te­te Dau­er der Maß­re­gel die noch zu voll­stre­cken­de Rest­frei­heits­stra­fe über­stei­gen. Vor die­sem Hin­ter­grund bedurf­te die gegen­über der Sach­ver­stän­di­gen geäu­ßer­te The­ra­pie­be­reit­schaft des Ange­klag­ten einer nähe­ren Erör­te­rung, da die­se ange­sichts des ange­klag­ten Vor­wurfs des bewaff­ne­ten Han­del­trei­bens mög­li­cher­wei­se vor dem Hin­ter­grund einer höhe­ren Straf­er­war­tung durch den Ange­klag­ten erklärt wor­den war.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Novem­ber 2017 – 2 StR 387/​17

  1. vgl. Münch­Komm-BGB/van Gemme­ren, StGB, 3. Aufl., § 64 Rn. 64 f. mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 22.03.2017 – 3 StR 38/​17, NStZ-RR 2017, 283, 284[]
  3. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 27.11.2014 – 5 StR 454/​14 6[]