Unter­brin­gung in der Ent­zie­hungs­an­stalt – und der Hang

Für einen Hang ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung eine ein­ge­wur­zel­te, auf psy­chi­sche Dis­po­si­ti­on zurück­ge­hen­de oder durch Übung erwor­be­ne Nei­gung aus­rei­chend, immer wie­der Rausch­mit­tel zu kon­su­mie­ren, wobei die­se Nei­gung noch nicht den Grad einer phy­si­schen Abhän­gig­keit erreicht haben muss.

Unter­brin­gung in der Ent­zie­hungs­an­stalt – und der Hang

Ein über­mä­ßi­ger Genuss von Rausch­mit­teln im Sin­ne des § 64 StGB ist jeden­falls dann gege­ben, wenn der Betref­fen­de auf Grund sei­ner psy­chi­schen Abhän­gig­keit sozi­al gefähr­det oder gefähr­lich erscheint1. Inso­weit kann dem Umstand, dass durch den Rausch­mit­tel­kon­sum bereits die Gesund­heit, Arbeits- und Leis­tungs­fä­hig­keit des Betref­fen­den erheb­lich beein­träch­tigt ist, zwar indi­zi­el­le Bedeu­tung für das Vor­lie­gen eines Han­ges zukom­men2. Wenn­gleich sol­che Beein­träch­ti­gun­gen in der Regel mit über­mä­ßi­gem Rausch­mit­tel­kon­sum ein­her­ge­hen wer­den, schließt deren Feh­len jedoch nicht not­wen­di­ger­wei­se die Annah­me eines Han­ges aus3.

Eben­so wenig steht die Tat­sa­che, dass ein Ange­klag­ter kurz­zei­tig in der Lage war, sei­nen Rausch­mit­tel­kon­sum zu ver­rin­gern oder ein­zu­stel­len, dem Vor­lie­gen eines Han­ges ent­ge­gen4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Juni 2016 – 1 StR 219/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 14.10.2015 – 1 StR 415/​15; Urtei­le vom 10.11.2004 – 2 StR 329/​04, NStZ 2005, 210; und vom 15.05.2014 – 3 StR 386/​13, NStZ-RR 2014, 271
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 01.04.2008 – 4 StR 56/​08, NStZ-RR 2008, 198; und vom 14.12 2005 – 1 StR 420/​05, NStZ-RR 2006, 103
  3. BGH, Beschlüs­se vom 01.04.2008 – 4 StR 56/​08, NStZ-RR 2008, 198; und vom 02.04.2015 – 3 StR 103/​15
  4. BGH, Urteil vom 15.05.2014 – 3 StR 386/​13, NStZ-RR 2014, 271 und Beschluss vom 20.12 2011 – 3 StR 421/​11, NStZ-RR 2012, 204