Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und der Hang zum Rausch­mit­tel­kon­sum

Für einen Hang ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung aus­rei­chend eine ein­ge­wur­zel­te, auf psy­chi­sche Dis­po­si­ti­on zurück­ge­hen­de oder durch Übung erwor­be­ne Nei­gung, immer wie­der Rausch­mit­tel zu kon­su­mie­ren, wobei die­se Nei­gung noch nicht den Grad einer phy­si­schen Abhän­gig­keit erreicht haben muss.

Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und der Hang zum Rausch­mit­tel­kon­sum

Ein über­mä­ßi­ger Genuss von Rausch­mit­teln im Sin­ne des § 64 StGB ist jeden­falls dann gege­ben, wenn der Betref­fen­de auf Grund sei­ner psy­chi­schen Abhän­gig­keit sozi­al gefähr­det oder gefähr­lich erscheint 1.

Inso­weit kann dem Umstand, dass durch den Rausch­mit­tel­kon­sum bereits die Gesund­heit, Arbeits- und Leis­tungs­fä­hig­keit des Betref­fen­den erheb­lich beein­träch­tigt ist, zwar indi­zi­el­le Bedeu­tung für das Vor­lie­gen eines Han­ges zukom­men 2.

Wenn­gleich sol­che Beein­träch­ti­gun­gen in der Regel mit über­mä­ßi­gem Rausch­mit­tel­kon­sum ein­her­ge­hen wer­den, schließt deren Feh­len jedoch nicht not­wen­di­ger­wei­se die Annah­me eines Han­ges aus 3.

Ein sym­pto­ma­ti­scher Zusam­men­hang liegt vor, wenn der Hang allein oder zusam­men mit ande­ren Umstän­den dazu bei­getra­gen hat, dass der Täter eine erheb­li­che rechts­wid­ri­ge Tat began­gen hat und dies bei unver­än­der­tem Ver­hal­ten auch für die Zukunft zu erwar­ten ist 4, mit­hin die kon­kre­te Tat in dem Hang ihre Wur­zel fin­det 5.

Die­ser Zusam­men­hang liegt bei Delik­ten, die began­gen wer­den, um Rausch­mit­tel selbst oder Geld für ihre Beschaf­fung zu erlan­gen, nahe 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Janu­ar 2017 – 1 StR 604/​16

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 14.10.2015 – 1 StR 415/​15; vom 10.11.2004 – 2 StR 329/​04, NStZ 2005, 210; und vom 15.05.2014 – 3 StR 386/​13[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 01.04.2008 – 4 StR 56/​08, NStZ-RR 2008, 198; und vom 14.12 2005 – 1 StR 420/​05, NStZ-RR 2006, 103[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 01.04.2008 – 4 StR 56/​08, NStZ-RR 2008, 198; und vom 02.04.2015 – 3 StR 103/​15[]
  4. BGH, Beschlüs­se vom 25.11.2015 – 1 StR 379/​15, NStZ-RR 2016, 113; vom 06.11.2013 – 5 StR 432/​13; und vom 25.05.2011 – 4 StR 27/​11, NStZ-RR 2011, 309[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 28.08.2013 – 4 StR 277/​13, NStZ-RR 2014, 75[]
  6. BGH, Urteil vom 18.02.1997 – 1 StR 693/​96, BGHR StGB § 64 Abs. 1 Rausch 1; Beschluss vom 28.08.2013 – 4 StR 277/​13, NStZ-RR 2014, 75[]