Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – trotz nega­ti­vem Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens

Zwar ist das Land­ge­richt an einer vom Gut­ach­ten abwei­chen­den Beur­tei­lung des hin­rei­chend kon­kre­ten The­ra­pie­er­fol­ges nicht grund­sätz­lich gehin­dert, weil die gut­ach­ter­li­chen Aus­füh­run­gen stets ledig­lich eine Grund­la­ge der eige­nen rich­ter­li­chen Über­zeu­gungs­bil­dung sind 1.

Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – trotz nega­ti­vem Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens

Will das Tat­ge­richt aller­dings in einer Fra­ge, für deren Beant­wor­tung es sach­ver­stän­di­ge Hil­fe für erfor­der­lich gehal­ten hat oder deren Inan­spruch­nah­me – wie im Fall des § 246a StPO – gesetz­lich vor­ge­schrie­ben ist, im Wider­spruch zu dem Gut­ach­ten beant­wor­ten, muss es die Grün­de hier­für in einer Wei­se dar­le­gen, die dem Revi­si­ons­ge­richt die Nach­prü­fung erlau­ben, ob es die Dar­le­gun­gen des Sach­ver­stän­di­gen zutref­fend gewür­digt und aus ihnen recht­lich zuläs­si­ge Schlüs­se gezo­gen hat.

Hier­zu bedarf es einer erschöp­fen­den Aus­ein­an­der­set­zung mit des­sen Aus­füh­run­gen zu den Gesichts­punk­ten, auf die das Gericht sei­ne abwei­chen­de Auf­fas­sung stützt 2.

Dem genüg­te im vor­lie­gen­den Fall das ange­foch­te­ne Urteil nicht: Das Land­ge­richt grün­det sei­ne Pro­gno­se eines hin­rei­chend kon­kre­ten The­ra­pie­er­folgs vor allem auf den von ihm ange­nom­me­nen ernst­haf­ten The­ra­pie­wil­len des Ange­klag­ten und des­sen Ver­hal­ten im Frei­heits­stra­fen­voll­zug. Es lässt sich dem Urteil aller­dings bereits nicht ent­neh­men, ob der psych­ia­tri­sche Sach­ver­stän­di­ge bei­de Aspek­te sei­ner gut­ach­ter­li­chen Stel­lung­nah­me zugrun­de gelegt und den­noch kei­nen hin­rei­chend siche­ren The­ra­pie­er­folg zu pro­gnos­ti­zie­ren ver­moch­te. Falls die­se Umstän­de im Gut­ach­ten Berück­sich­ti­gung gefun­den haben soll­ten, hät­te es Aus­füh­run­gen dazu bedurft, war­um das Land­ge­richt die­sen abwei­chend vom Gut­ach­ter aus­rei­chen­des Gewicht zumisst, um von den Vor­aus­set­zun­gen des § 64 Satz 2 StGB aus­ge­hen zu kön­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Mai 2018 – 1 StR 51/​18

  1. sie­he nur BGH, Beschluss vom 18.10.2017 – 3 StR 368/​17 Rn. 11 [NStZ-RR 2018, 85 nur redak. Leit­satz][]
  2. BGH aaO mwN[]