Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und der Zeit­raum für die Prü­fung der Erfolgs­aus­sich­ten

Bei der Prü­fung der Erfolgs­aus­sicht der Maß­re­gel der Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt ist die am 1.08.2016 in Kraft getre­te­ne Neu­fas­sung des § 64 Satz 2 StGB 1 zu beden­ken.

Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und der Zeit­raum für die Prü­fung der Erfolgs­aus­sich­ten

Im vor­lie­gen­den Fall hat das Land­ge­richt die Nicht­an­ord­nung der Maß­re­gel ent­schei­dend damit begrün­det, dass beim Ange­klag­ten die für die Anord­nung der Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt erfor­der­li­che hin­rei­chend kon­kre­te Erfolgs­aus­sicht der The­ra­pie (§ 64 Satz 2 StGB) nicht bestehe, weil die vor­aus­sicht­lich not­wen­di­ge Dau­er der Behand­lung die in § 67d Abs. 1 Satz 1 StGB genann­te Frist von zwei Jah­ren über­schrei­te. f.)). Dabei hat sich die Straf­kam­mer an der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung eini­ger Straf­se­na­te des Bun­des­ge­richts­hofs zur Rechts­la­ge vor der Geset­zes­än­de­rung ori­en­tiert, wonach die Vor­aus­set­zun­gen des § 64 Satz 2 StGB dann nicht vor­lie­gen, wenn die Ent­zugs­be­hand­lung vor­aus­sicht­lich nicht inner­halb der in § 67d Abs. 1 Satz 1 StGB für die Maß­re­gel vor­ge­se­he­nen Höchst­frist von zwei Jah­ren zum Erfolg füh­ren kann 2.

Die­ser – auf den Wort­laut des § 67d Satz 1 Satz 1 StGB und den Wil­len des Gesetz­ge­bers gestütz­ten – Aus­le­gung 3 ist mit der Neu­fas­sung des § 64 Satz 2 StGB im Zuge des Geset­zes zur Novel­lie­rung des Rechts der Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus gemäß § 63 des Straf­ge­setz­buchs und zur Ände­rung ande­rer Vor­schrif­ten vom 08.07.2016 1 die Grund­la­ge ent­zo­gen wor­den 4. Denn durch die­se Geset­zes­än­de­rung ent­hält § 64 Satz 2 StGB nun eine ent­spre­chen­de Klar­stel­lung, indem nach dem Wort "Ent­zie­hungs­an­stalt" die Wor­te "inner­halb der Frist nach § 67d Absatz 1 Satz 1 oder 3" ein­ge­fügt wur­den.

Damit hat der Gesetz­ge­ber – um eine fle­xi­ble­re Hand­ha­bung des § 64 StGB für den Ein­zel­fall zu ermög­li­chen 5 – an die Rechts­an­sicht des 5. Straf­se­nats des Bun­des­ge­richts­hofs ange­knüpft 6, wonach für eine erfolg­ver­spre­chen­de Behand­lung im Sin­ne des § 64 Satz 2 StGB grund­sätz­lich die bei Ver­hän­gung einer Begleit­stra­fe gel­ten­de ver­län­ger­te Unter­brin­gungs­frist nach § 67d Absatz 1 Satz 3 StGB zur Ver­fü­gung steht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. März 2017 – 2 StR 581/​16

  1. BGBl. I 2016 S. 1610[][]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 15.04.2014 – 3 StR 48/​14, NStZ-RR 2014, 212 mwN; Bun­des­ge­richts­hof Urteil vom 20.01.2016 – 2 StR 378/​15; Beschluss vom 08.08.2012 – 2 StR 279/​12, NStZ-RR 2013, 7, 8; vgl. auch Fischer, StGB, 64. Aufl., § 64 Rn.19a; dage­gen: BGH, Urteil vom 10.04.2014 – 5 StR 37/​14, NStZ 2014, 315 f.; zuletzt offen­ge­las­sen: BGH, Urteil vom 10.04.2014 – 5 StR 37/​14, NStZ 2014, 315, 316; vgl. zum Gan­zen: Schnei­der, NStZ 2014, 617[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 17.04.2012 – 3 StR 65/​12, NJW 2012, 2292[]
  4. vgl. Kissel/​Mayer, GVG, 8. Aufl., § 132 Rn. 21[]
  5. vgl. BT-Drs. 18/​7244, S. 13, 24 f.[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 10.04.2014 – 5 StR 37/​14, aaO[]