Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus

Die Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus setzt unter ande­rem die posi­ti­ve Fest­stel­lung vor­aus, dass der Beschul­dig­te eine rechts­wid­ri­ge Tat im Zustand der Schuld­un­fä­hig­keit (§ 20) oder der ver­min­der­ten Schuld­fä­hig­keit (§ 21) began­gen hat.

Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus

Hier­für muss vom Tat­ge­richt im Ein­zel­nen dar­ge­legt wer­den, wie sich die fest­ge­stell­te, einem Merk­mal von §§ 20, 21 StGB unter­fal­len­de Erkran­kung in der jewei­li­gen Tat­si­tua­ti­on auf die Ein­sichts- oder die Steue­rungs­fä­hig­keit aus­ge­wirkt hat und war­um die Anlas­s­ta­ten auf den ent­spre­chen­den psy­chi­schen Zustand zurück­zu­füh­ren sind1.

Inso­weit ist ins­be­son­de­re zu unter­su­chen, ob in der Per­son des Beschul­dig­ten oder in sei­nen Taten letzt­lich nicht nur Eigen­schaf­ten und Ver­hal­tens­wei­sen her­vor­tre­ten, die sich im Rah­men des­sen hal­ten, was bei schuld­fä­hi­gen Men­schen anzu­tref­fen und übli­che Ursa­che für straf­ba­res Ver­hal­ten ist2.

Maß­ge­bend für die Beur­tei­lung der Schuld­fä­hig­keit ist die „Bege­hung der Tat” (§ 20 StGB), bei akti­vem Tun mit­hin die Zeit, zu wel­cher der Täter gehan­delt hat (§ 8 Satz 1 StGB; vgl. auch Fischer, StGB, 62. Aufl., § 20 Rn. 2a mwN). Daher fin­det § 20 StGB jeden­falls dann kei­ne Anwen­dung, wenn der Täter bei allen für die Ver­wirk­li­chung des Tat­be­stands erfor­der­li­chen Hand­lun­gen – wenn auch ver­min­dert – schuld­fä­hig war3.

Die Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus darf nur ange­ord­net wer­den, wenn zwei­fels­frei fest­steht, dass der Beschul­dig­te bei Bege­hung der Anlas­s­ta­ten schuld­un­fä­hig oder ver­min­dert schuld­fä­hig war4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Juni 2015 – 4 StR 196/​15

  1. BGH, Beschlüs­se vom 29.05.2012 – 2 StR 139/​12, NStZ-RR 2012, 306, 307; vom 18.11.2013 – 1 StR 594/​13, NStZ-RR 2014, 75, 76 mwN
  2. vgl. BGH, Urteil vom 02.04.1997 – 2 StR 53/​97, NStZ 1997, 383; Beschlüs­se vom 15.07.1997 – 4 StR 303/​97, BGHR StGB § 63 Zustand 26; vom 19.02.2015 – 2 StR 420/​14
  3. vgl. für Dau­er­de­lik­te auch BGH, Beschluss vom 15.06.2004 – 4 StR 176/​04; Urteil vom 28.09.2011 – 1 StR 129/​11, NStZ-RR 2012, 6, 7
  4. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 26.03.2015 – 2 StR 37/​15 mwN; zur – nicht fest­ge­stell­ten – ver­min­der­ten Ein­sichts­fä­hig­keit und § 63 StGB: BGH, Beschluss vom 20.11.2012 – 1 StR 504/​12, NJW 2013, 246; sie­he fer­ner – auch zum Ver­hält­nis Einsichts/​Steuerungsvermögen – Beschluss vom 02.08.2012 – 3 StR 259/​12; sowie Urteil vom 18.01.2006 – 2 StR 394/​05, BGHR StGB § 20 Steue­rungs­fä­hig­keit 2