Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und der erfor­der­li­che Hang

Für einen Hang im Sin­ne des § 64 StGB ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs eine ein­ge­wur­zel­te, auf psy­chi­sche Dis­po­si­ti­on zurück­ge­hen­de oder durch Übung erwor­be­ne Nei­gung, immer wie­der Rausch­mit­tel zu kon­su­mie­ren, wobei die­se Nei­gung noch nicht den Grad einer phy­si­schen Abhän­gig­keit erreicht haben muss.

Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und der erfor­der­li­che Hang

Ein über­mä­ßi­ger Genuss von Rausch­mit­teln ist jeden­falls dann gege­ben, wenn der Betrof­fe­ne auf Grund sei­ner psy­chi­schen Abhän­gig­keit sozi­al gefähr­det oder gefähr­lich erscheint. Das kommt nicht nur dann in Betracht, wenn der Betrof­fe­ne Rausch­mit­tel in einem sol­chen Umfang zu sich nimmt, dass sei­ne Gesund­heit, Arbeits- und Leis­tungs­fä­hig­keit dadurch erheb­lich beein­träch­tigt wer­den, son­dern ins­be­son­de­re auch bei Beschaf­fungs­kri­mi­na­li­tät 1.

Soweit das Gericht dar­auf abstellt, dass der Sub­stanz­miss­brauch des Ange­klag­ten nicht "in einem sol­chen Aus­maß im zen­tra­len Mit­tel­punkt von des­sen Lebens­füh­rung" ste­he, "dass sich dar­aus ein unmit­tel­ba­rer, stän­di­ger, sei­ne sozia­len und per­sön­li­chen Hand­lungs­fä­hig­kei­ten beein­träch­ti­gen­der stö­ren­der oder schäd­li­cher Ein­fluss" erge­ben habe, ist dies ein unzu­läs­si­ger Schluss: in einer erheb­li­chen Beein­träch­ti­gung der Gesund­heit, Arbeits- und Leis­tungs­fä­hig­keit durch den Dro­gen­kon­sum liegt zwar ein Indiz für die Exis­tenz eines Hangs, des­sen Feh­len schließt indes den Hang nicht aus 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. April 2015 – 3 StR 103/​15

  1. BGH, Urteil vom 10.11.2004 – 2 StR 329/​04, NStZ 2005, 210[]
  2. BGH, Urteil vom 15.05.2014 – 3 StR 386/​13, NStZ-RR 2014, 271[]