Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und der Hang

Für die Annah­me eines Hangs im Sin­ne des § 64 StGB ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung eine ein­ge­wur­zel­te, auf psy­chi­sche Dis­po­si­ti­on zurück­ge­hen­de oder durch Übung erwor­be­ne Nei­gung aus­rei­chend, immer wie­der Rausch­mit­tel zu kon­su­mie­ren, wobei die­se Nei­gung noch nicht den Grad einer phy­si­schen Abhän­gig­keit erreicht haben muss.

Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und der Hang

Ein über­mä­ßi­ger Genuss von Rausch­mit­teln ist jeden­falls dann gege­ben, wenn der Betref­fen­de auf Grund sei­ner Nei­gung sozi­al gefähr­det oder gefähr­lich erscheint[1].

Letz­te­res ist bei der Bege­hung von zur Befrie­di­gung des eige­nen Dro­gen­kon­sums die­nen­den Beschaf­fungs­ta­ten der Fall[2].

Somit schließt der Umstand, dass der Ange­klag­te nach den Fest­stel­lun­gen der Straf­kam­mer nicht an einer Such­ter­kran­kung lei­det, das Vor­lie­gen eines Hangs nicht aus.

So auch in dem hier ent­schie­de­nen Fall, in dem sie die Urteils­grün­de dazu, ob der Ange­klag­te einen Hang im vor­be­zeich­ne­ten Sinn auf­weist, nicht ver­hal­ten, obwohl sich dies auf­grund der zur Per­son des Ange­klag­ten getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen auf­ge­drängt hät­te. Danach wur­de der seit Jah­ren arbeits­lo­se Ange­klag­te 1992 wegen Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln, 1993 wegen Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln, 2001 wegen Ver­äu­ße­rung von Betäu­bungs­mit­teln und 2014 wegen Besit­zes von Betäu­bungs­mit­teln ver­ur­teilt. Er kon­su­miert seit sei­nem 28. Lebens­jahr Can­na­bis, zuletzt etwa ein Gramm täg­lich, zudem regel­mä­ßig Metham­phet­amin sowie gele­gent­lich Koka­in und Ecsta­sy.

Der Anord­nung der Maß­re­gel steht auch nicht die aktu­ell feh­len­de The­ra­pie­wil­lig­keit des Ange­klag­ten ent­ge­gen. Denn das Tat­ge­richt hat bei einer feh­len­den The­ra­pie­wil­lig­keit zu prü­fen, ob die kon­kre­te Aus­sicht besteht, dass die The­ra­pie­be­reit­schaft für eine erfolg­ver­spre­chen­de The­ra­pie noch geweckt wer­den kann[3]. Das ist im vor­lie­gen­den eben­falls nicht erkenn­bar erfolgt.

Weiterlesen:
Der Bußgeldbescheid - und die Kosten des von der Staatsanwalt beauftragten Unfallgutachtens

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Febru­ar 2021 – 6 StR 18/​21

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 12.01.2017 – 1 StR 604/​16, StV 2017, 672, 673; vom 20.02.2018 – 3 StR 645/​17; vom 07.04.2020 – 6 StR 28/​20[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 27.09.2018 – 4 StR 276/​18, StV 2019, 261, 262[]
  3. st. Rpsr.; vgl. BGH, Beschlüs­se vom 24.06.2009 – 2 StR 170/​09; vom 03.07.2012 – 5 StR 313/​12, NStZ-RR 2012, 307; vom 17.Oktober 2017 – 3 StR 177/​17, NStZ-RR 2018, 13[]

Bild­nach­weis: