Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und der Sym­ptom­wert der Tat

Der Sym­ptom­wert der fest­ge­stell­ten Tat für den Hang des Ange­klag­ten [1] liegt nahe, soweit der Betäu­bungs­mit­tel­kon­sum für die Bege­hung der Straf­ta­ten jeden­falls mit­ur­säch­lich war.

Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und der Sym­ptom­wert der Tat

Eine Mit­ur­säch­lich­keit reicht aus; § 64 StGB setzt nicht vor­aus, dass der Sucht­mit­tel­ge­brauch „hand­lungs­lei­tend“ ist, wovon das ange­foch­te­ne Urteil aus­zu­ge­hen scheint [2].

So auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall: Weil das Vor­lie­gen der übri­gen Unter­brin­gungs­vor­aus­set­zun­gen gemäß § 64 StGB nicht von vorn­her­ein aus­schei­det, ins­be­son­de­re die Annah­me eines Hangs mit Blick auf den fest­ge­stell­ten lang­jäh­ri­gen Betäu­bungs­mit­tel­kon­sum sowie die Ver­ur­tei­lun­gen des Ange­klag­ten wegen Ver­mö­gens­de­lik­ten und Ver­stö­ßen gegen das Betäu­bungs­mit­tel­ge­setz jeden­falls mög­lich erscheint, muss über die Maß­re­gel­an­ord­nung neu ver­han­delt wer­den. Dass nur der Ange­klag­te Revi­si­on ein­ge­legt hat, hin­dert eine Nach­ho­lung der Unter­brin­gungs­an­ord­nung nicht; er hat deren feh­len­de Anord­nung nicht vom Rechts­mit­tel­an­griff aus­ge­nom­men (§ 358 Abs. 2 Satz 2 StPO) [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Novem­ber 2020 – 2 StR 318/​20

  1. vgl. dazu BGH, Beschlüs­se vom 30.07.2013 – 2 StR 174/​13, Beck­RS 2013, 15926 mwN; und vom 16.10.2019 – 2 StR 306/​19, Beck­RS 2019, 30971[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 30.07.2013 – 2 StR 174/​13, Beck­RS 2013, 15926 mwN, und 15.03.2000 – 2 StR 46/​00, Beck­RS 2000, 3833[]
  3. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschluss vom 30.07.2019 – 2 StR 93/​19, NStZ-RR 2020, 37, 38[]

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