Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus – und die Gefähr­lich­keits­pro­gnos­se

Die Gefähr­lich­keits­pro­gno­se ist nach der zum 1.08.2016 in Kraft getre­te­nen, für den Täter gegen­über der Alt­fas­sung güns­ti­ge­ren 1 Neu­fas­sung des § 63 StGB zu tref­fen (§ 2 Abs. 6 StGB). Bei den ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Taten muss es sich um sol­che han­deln, durch die ein 'schwe­rer wirt­schaft­li­cher Scha­den' im Sin­ne des § 63 Satz 1 StGB ent­stan­den ist. Und der­ar­ti­ge Taten müs­sen in Zukunft zu erwar­ten sein.

Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus – und die Gefähr­lich­keits­pro­gnos­se

Der Gesetz­ge­ber geht davon aus, dass für die Aus­le­gung des Begriffs 'schwe­rer wirt­schaft­li­cher Scha­den' im Sin­ne des § 63 Satz 1 StGB grund­sätz­lich auf die Lite­ra­tur und die Recht­spre­chung zur Aus­le­gung der gleich­lau­ten­den For­mu­lie­rung in § 66 Abs. 1 Nr. 3 StGB in der bis zum 31.12 2010 gel­ten­den Fas­sung zurück­ge­grif­fen wer­den kann 2. Er hat den Richt­wert für die Bewer­tung eines Scha­dens als 'schwer' mit einem Betrag in Höhe von 5.000,- € bezif­fert, aber dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die kon­kre­ten Umstän­de des Ein­zel­falls zu berück­sich­ti­gen sei­en. Daher kön­ne im Ein­zel­fall auch ein gerin­ge­rer dro­hen­der Scha­den die Gefähr­lich­keit des Täters begrün­den, eben­so wie die­se auch bei höhe­ren Schä­den ver­neint wer­den kön­ne. Eben­falls auf die Umstän­de des Ein­zel­falls sei für die Fra­ge abzu­stel­len, ob bei einer dro­hen­den Viel­zahl von weni­ger schwe­ren Taten, die für sich gese­hen kei­nen schwe­ren wirt­schaft­li­chen Scha­den begrün­den wür­den, auf den dro­hen­den Gesamt­scha­den abzu­stel­len ist, wobei auch hier der gene­rel­le Maß­stab das Aus­maß der Stö­rung des Rechts­frie­dens sei. So kön­ne schon die Ten­denz zur seri­en­mä­ßi­gen Tat­be­ge­hung den frie­dens­stö­ren­den Cha­rak­ter jeder ein­zel­nen Tat so erhö­hen, dass sie alle als erheb­lich emp­fun­den wer­den, wäh­rend auf der ande­ren Sei­te dro­hen­de Taten mit gerin­gen Scha­dens­wer­ten selbst dann nicht zu einer emp­find­li­chen, die Unter­brin­gung des Täters erfor­dern­den Stö­rung des Rechts­frie­dens füh­ren dürf­ten, wenn die­se auf­grund der zu erwar­ten­den seri­en­mä­ßi­gen Bege­hung ins­ge­samt zu einem 'schwe­ren' wirt­schaft­li­chen Scha­den füh­ren wür­den 3.

Im hier ent­schie­de­nen Fall hat­te die Straf­kam­mer bei der danach gebo­te­nen Gesamt­wür­di­gung wesent­li­che Umstän­de nicht erkenn­bar bedacht:

Sie stellt maß­geb­lich auf den durch die ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Taten ent­stan­de­nen und durch künf­ti­ge Taten zu erwar­ten­den Gesamt­scha­den ab, wobei auch Erwäh­nung fin­det, dass 'mit Scha­dens­sum­men ana­log denen im gegen­ständ­li­chen Ver­fah­ren, das heißt von Ein­zel­schä­den im Bereich von eini­gen hun­dert Euro mit Abwei­chun­gen nach unten und nach oben (bis deut­lich über 1.000,- € hin­aus)' zu rech­nen sei. Die­se pau­scha­len Erwä­gun­gen las­sen besor­gen, dass die Straf­kam­mer nicht bedacht hat, dass sich die Ein­zel­schä­den vor­lie­gend in den über­wie­gen­den Fäl­len allen­falls im mitt­le­ren drei­stel­li­gen, teil­wei­se sogar nur im zwei­stel­li­gen Bereich bewe­gen, mit­hin deut­lich unter­halb des Richt­wer­tes von 5.000,- € lie­gen, was gegen einen frie­dens­stö­ren­den Cha­rak­ter der Taten spre­chen könn­te 3.

Soweit die Straf­kam­mer im vor­lie­gen­den Fall bei der vor­zu­neh­men­den Gesamt­wür­di­gung auch dar­auf abstellt, dass vor­aus­sicht­lich wahl­los unter­schied­li­che Arten von Unter­neh­men; vom klei­nen Inter­net­shop bis hin zum Ser­vice­pro­vi­der, geschä­digt wer­den, las­sen die Urteils­grün­de eben­falls die gebo­te­ne Dif­fe­ren­zie­rung ver­mis­sen. Ledig­lich in vier Fäl­len han­del­te es sich bei dem Geschä­dig­ten um einen Ein­zel­un­ter­neh­mer, wäh­rend in den wei­te­ren Fäl­len – zum Teil finanz­kräf­ti­ge – Unter­neh­men geschä­digt wur­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Janu­ar 2018 – 1 StR 523/​17

  1. vgl. BT-Drs. 18/​7244 S. 41[]
  2. vgl. BT-Drs. a.a.O., S.20[]
  3. vgl. BT- Druck­sa­che a.a.O., S. 21, m.w.N.[][]