Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus – und die Gefähr­lich­keits­pro­gnos­se

Die Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus beschwert den hier­von Betrof­fe­nen außer­or­dent­lich. Sie darf des­halb nur ange­ord­net wer­den, wenn vom Täter infol­ge sei­nes Zustands erheb­li­che rechts­wid­ri­ge Taten min­des­tens aus dem Bereich der mitt­le­ren Kri­mi­na­li­tät zu erwar­ten sind 1.

Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus – und die Gefähr­lich­keits­pro­gnos­se

Das Gesetz for­dert dem Tatrich­ter damit eine Gefähr­lich­keits­pro­gno­se ab, die eine Gesamt­wür­di­gung des Täters und sei­ner Tat vor­aus­setzt 2.

In die­se Prü­fung ist eine län­ger wäh­ren­de Straf­frei­heit als gewich­ti­ges Indiz gegen die Wahr­schein­lich­keit künf­ti­ger gefähr­li­cher Straf­ta­ten ein­zu­be­zie­hen 3.

Maß­geb­li­cher Zeit­punkt für die Pro­gno­se­ent­schei­dung des Tatrich­ters ist der­je­ni­ge der Haupt­ver­hand­lung, nicht der­je­ni­ge der Tat 4.

Bei der für die Anord­nung der Unter­brin­gung nach § 63 StGB erfor­der­li­chen Pro­gno­se ist genau zu prü­fen und zu kon­kre­ti­sie­ren, wel­che Taten von dem Beschul­dig­ten zu erwar­ten sind 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Juni 2016 – 4 StR 207/​16

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 26.06.2007 – 5 StR 215/​07, NStZ-RR 2007, 300, 301 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 11.01.2006 – 2 StR 582/​05, StV 2006, 579[]
  3. BGH, Urteil vom 28.08.2012 – 5 StR 295/​12, NStZ-RR 2012, 366, 367[]
  4. BGH, Beschluss vom 11.01.2006 aaO[]
  5. BGH, Beschluss vom 20.02.2009 – 5 StR 555/​08, BGHR StGB § 63 Gefähr­lich­keit 31[]