Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus – und die Intel­li­genz­min­de­rung

Die Anord­nung der Maß­re­gel gemäß § 63 StGB setzt vor­aus, dass der Aus­schluss (§ 20 StGB) oder die erheb­li­che Ver­min­de­rung der Schuld­fä­hig­keit (§ 21 StGB) auf einem län­ger andau­ern­den psy­chi­schen Defekt des Täters beruht.

Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus – und die Intel­li­genz­min­de­rung

Ein sol­cher Zustand kann auch dann vor­lie­gen, wenn die für die Maß­re­gel­an­ord­nung erfor­der­li­che, sicher zumin­dest erheb­lich ein­ge­schränk­te Schuld­fä­hig­keit auf einem Zusam­men­wir­ken einer län­ger andau­ern­den geis­tig­see­li­schen Stö­rung und dem Kon­sum von Alko­hol beruht1.

Inso­weit genügt, dass bei län­ger andau­ern­den Stö­run­gen im Sin­ne von §§ 20, 21 StGB bereits gerin­ger Alko­hol­kon­sum oder ande­re all­täg­li­che Ereig­nis­se die erheb­li­che Beein­träch­ti­gung der Schuld­fä­hig­keit aus­lö­sen kön­nen und die­ses getan haben2.

Zwar kann eine Intel­li­genz­min­de­rung ohne nach­weis­ba­ren Organ­be­fund, wie das Land­ge­richt sie ange­nom­men hat, dem Ein­gangs­merk­mal des "Schwach­sinns" unter­fal­len und damit eine beson­de­re Erschei­nungs­form schwe­rer ande­rer see­li­scher Abar­tig­kei­ten dar­stel­len3, die zu einer erheb­lich ver­min­der­ten oder sogar auf­ge­ho­be­nen Schuld­fä­hig­keit füh­ren kann. Die blo­ße Min­de­rung der geis­ti­gen Leis­tungs­fä­hig­keit begrün­det eine sol­che Beein­träch­ti­gung aber nicht4.

Die Annah­me des Ein­gangs­merk­mals darf sich nicht auf die Fest­stel­lung der Intel­li­genz­min­de­rung oder eines nied­ri­gen Intel­li­genz­quo­ti­en­ten beschrän­ken, son­dern bedarf einer umfas­sen­den Wür­di­gung der Per­sön­lich­keit5.

Dar­über hin­aus bedarf es Aus­füh­run­gen dazu, wel­chen Ein­fluss die Intel­li­genz­min­de­rung auf die Hand­lungs­mög­lich­kei­ten des (hier: alko­ho­li­sier­ten) Ange­klag­ten in der kon­kre­ten Tat­si­tua­ti­on hat­te6. Das Land­ge­richt hat den für die Annah­me erheb­lich ver­min­der­ter Steue­rungs­fä­hig­keit vor­aus­ge­setz­ten ursäch­li­chen sym­pto­ma­ti­schen Zusam­men­hang der von dem Sach­ver­stän­di­gen dia­gnos­ti­zier­ten leich­ten Intel­li­genz­min­de­rung mit dem Tat­ge­sche­hen nicht aus­rei­chend zu bele­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Sep­tem­ber 2017 – 1 StR 299/​17

  1. BGH, Urtei­le vom 17.02.1999 – 2 StR 483/​98, BGHSt 44, 369, 374 f.; und vom 29.09.2015 – 1 StR 287/​15, NJW 2016, 341, 342; sie­he auch BGH, Beschlüs­se vom 01.04.2014 – 2 StR 602/​13, NStZ-RR 2014, 207; und vom 06.10.2009 – 3 StR 376/​09, NStZ-RR 2010, 42 []
  2. BGH jeweils aaO []
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 19.11.2014 – 4 StR 497/​14 Rn. 15, NStZ-RR 2015, 71 []
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 24.05.2017 – 1 StR 55/​17 Rn. 8, NStZ-RR 2017, 270 mwN []
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 05.07.2011 – 3 StR 173/​11, NStZ 2012, 209 mwN []
  6. vgl. BGH, Urteil vom 22.04.2015 – 2 StR 393/​14, NStZ-RR 2015, 306 []