Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus – und die para­noi­de Schi­zo­phre­nie

Die Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus gemäß § 63 StGB darf nur ange­ord­net wer­den, wenn zwei­fels­frei fest­steht, dass der Unter­zu­brin­gen­de bei Bege­hung der Anlas­s­tat auf­grund eines psy­chi­schen Defekts schuld­un­fä­hig oder ver­min­dert schuld­fä­hig war und die Tat­be­ge­hung auf die­sem Zustand beruht.

Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus – und die para­noi­de Schi­zo­phre­nie

Dazu bedarf es einer kon­kre­ten Dar­stel­lung, in wel­cher Wei­se sich die näher fest­ge­stell­te psy­chi­sche Stö­rung bei Bege­hung der Taten auf die Hand­lungs­mög­lich­kei­ten des Täters in der kon­kre­ten Tat­si­tua­ti­on und damit auf sei­ne Ein­sichts- oder Steue­rungs­fä­hig­keit aus­ge­wirkt hat1.

Inso­weit sind kon­kre­te Fest­stel­lun­gen dazu zu tref­fen, ob und in wel­cher Wei­se die para­noi­de Schi­zo­phre­nie der Beschul­dig­ten Aus­wir­kun­gen auf die Bege­hung der fest­ge­stell­ten Anlas­s­ta­ten hat­te. Auch ist zwi­schen Ein­sichts- und Steue­rungs­fä­hig­keit zu unter­schei­den. Allein die Dia­gno­se einer para­noi­den Schi­zo­phre­nie ver­mag die­se Fest­stel­lun­gen nicht zu erset­zen.

Soweit in den Urteils­grün­den psy­chisch auf­fäl­li­ge Ver­hal­tens­wei­sen der Beschul­dig­ten in der Haupt­ver­hand­lung mit­ge­teilt wer­den (rasche Stim­mungs­wech­sel, auf­brau­sen­des und ver­bal aggres­si­ves Ver­hal­ten etc.), han­delt es sich um Gescheh­nis­se, die in kei­nem zeit­li­chen Zusam­men­hang zu den Anlas­s­ta­ten ste­hen. Glei­ches gilt für die Berich­te über Befun­de und Ein­schät­zun­gen ande­rer Sach­ver­stän­di­ger aus frü­he­ren Jah­ren.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. März 2017 – 4 StR 11/​17

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschluss vom 21.12 2016 – 1 StR 594/​16, NStZ-RR 2017, 76, 77; Beschluss vom 12.10.2016 – 4 StR 78/​16, NStZ-RR 2017, 74, 75; Beschluss vom 15.01.2015 – 4 StR 419/​14, NStZ 2015, 394, 395; Beschluss vom 17.06.2014 – 4 StR 171/​14, NStZ-RR 2014, 305, 306 []