Unter­brin­gung in der Psych­ia­trie – und der län­ger andau­ern­de Defekt

Die Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus nach § 63 StGB darf nur ange­ord­net wer­den, wenn zwei­fels­frei fest­steht, dass der Unter­zu­brin­gen­de bei der Bege­hung der Anlas­s­ta­ten auf­grund eines psy­chi­schen Defek­tes schuld­un­fä­hig oder ver­min­dert schuld­fä­hig war und die Tat­be­ge­hung hier­auf beruht. Die­ser Zustand muss, um eine Gefähr­lich­keits­pro­gno­se tra­gen zu kön­nen, von län­ge­rer Dau­er sein1.

Unter­brin­gung in der Psych­ia­trie – und der län­ger andau­ern­de Defekt

Grund­sätz­lich ver­bie­tet sich daher die Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus, wenn der Aus­schluss oder die erheb­li­che Min­de­rung der Schuld­fä­hig­keit nicht schon allein durch einen sol­chen, län­ger andau­ern­den Defekt, son­dern erst durch aktu­ell hin­zu­tre­ten­den Genuss berau­schen­der Mit­tel, ins­be­son­de­re Alko­hol, her­bei­ge­führt wor­den ist.

In sol­chen Fäl­len kommt die Unter­brin­gung nach § 63 StGB aber aus­nahms­wei­se dann in Betracht, wenn der Täter in krank­haf­ter Wei­se alko­hol­über­emp­find­lich ist, an einer krank­haf­ten Alko­hol­sucht lei­det oder auf­grund eines psy­chi­schen Defek­tes alko­hol­süch­tig ist, der, ohne patho­lo­gisch zu sein, in sei­nem Schwe­re­grad einer krank­haf­ten see­li­schen Stö­rung im Sin­ne der §§ 20, 21 StGB gleich­steht2.

Ein Zustand im Sin­ne des § 63 StGB liegt aber – ent­spre­chend obi­ger Recht­spre­chung – auch dann vor, wenn der Täter an einer län­ger dau­ern­den geis­tig­see­li­schen Stö­rung lei­det, bei der bereits gerin­ger Alko­hol­kon­sum oder ande­re all­täg­li­che Ereig­nis­se die aku­te erheb­li­che Beein­träch­ti­gung der Schuld­fä­hig­keit aus­lö­sen kön­nen und dies getan haben3, wenn tra­gen­der Grund sei­nes Zustan­des mit­hin die län­ger andau­ern­de krank­haf­te geis­tig­see­li­sche Stö­rung und die Alko­ho­li­sie­rung ledig­lich der aus­lö­sen­de Fak­tor war und ist4.

Eine durch einen Rausch mit­ver­ur­sach­te tief­grei­fen­de Bewusst­seins­stö­rung ist aber in der Regel kein Zustand von län­ge­rer Dau­er.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Janu­ar 2017 – 4 StR 595/​16

  1. vgl. BGH, Urteil vom 17.06.2015 – 2 StR 358/​14, BGHR StGB § 63 Zustand 44; Beschluss vom 16.01.2013 – 4 StR 520/​12, NStZ-RR 2013, 141, 142; Beschluss vom 12.11.2004 – 2 StR 367/​04, BGHSt 49, 347, 351 mwN
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 22.11.2006 – 2 StR 430/​06, NStZ-RR 2007, 73; Urteil vom 08.01.1999 – 2 StR 430/​98, BGHSt 44, 338, 339 mwN
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 21.06.2016 – 4 StR 161/​16, Rn. 11; Urteil vom 29.09.2015 – 1 StR 287/​15, NJW 2016, 341 f., Beschluss vom 01.04.2014 – 2 StR 602/​13, NStZ-RR 2014, 207 [Ls.], jew. mwN
  4. vgl. BGH, Urteil vom 17.02.1999 – 2 StR 483/​98, BGHSt 44, 369, 374