Unter­brin­gung in der Psych­ia­trie – und der Rück­griff auf getilg­te Ver­ur­tei­lun­gen

In der Her­an­zie­hung im Bun­des­zen­tral­re­gis­ter getilg­ter Ver­ur­tei­lun­gen zur Beur­tei­lung der Gefähr­lich­keits­pro­gno­se liegt kein Ver­stoß gegen das prin­zi­pi­ell auch bei der Anord­nung von Maß­re­geln der Bes­se­rung und Siche­rung gel­ten­de Ver­wer­tungs­ver­bot gemäß § 51 Abs. 1 BZRG 1.

Unter­brin­gung in der Psych­ia­trie – und der Rück­griff auf getilg­te Ver­ur­tei­lun­gen

Die Ver­wer­tung kann auf § 52 Abs. 1 Nr. 2 BZRG gestützt wer­den. Danach darf eine frü­he­re Tat abwei­chend von § 51 Abs. 1 BZRG berück­sich­tigt wer­den, wenn in einem neu­en Straf­ver­fah­ren ein Gut­ach­ten über den Geis­tes­zu­stand des Betrof­fe­nen zu erstat­ten ist und die Umstän­de der frü­he­ren Tat dafür von Bedeu­tung sind.

Dadurch soll ver­mie­den wer­den, dass ein Sach­ver­stän­di­ger, der ein Gut­ach­ten über den Geis­tes­zu­stand des Betrof­fe­nen zu erstel­len hat, zu fal­schen oder nicht belast­ba­ren Aus­sa­gen gelangt, weil er bei der Per­sön­lich­keits­ana­mne­se auf bedeut­sa­me Erkennt­nis­se ver­zich­ten muss 2.

§ 52 Abs. 1 Nr. 2 BZRG hebt das Ver­wer­tungs­ver­bot für bestimm­te Erkennt­nis­se aus der getilg­ten Ver­ur­tei­lung auf, wenn deren Ver­wen­dung für eine trag­fä­hi­ge Beur­tei­lung des Geis­tes­zu­stan­des des Betrof­fe­nen erfor­der­lich ist. Auf die­sen Ver­wen­dungs­zweck hat sich das Land­ge­richt beschränkt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. April 2017 – 2 StR 454/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 18.06.2013 – 4 StR 145/​13 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 21.08.2012 – 4 StR 247/​12, BGHR BZRG § 52 Abs. 1 Nr. 2 Ver­wert­bar­keit 1 mwN[]