Unter­brin­gung in der Psych­ia­trie – und die Unzu­rech­nungs­fä­hig­keit

Die Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus gemäß § 63 StGB darf nur ange­ord­net wer­den, wenn zwei­fels­frei fest­steht, dass der Unter­zu­brin­gen­de bei Bege­hung der Anlass­tat auf­grund eines psy­chi­schen Defekts schuld­un­fä­hig oder ver­min­dert schuld­fä­hig war und die Tat­be­ge­hung auf die­sem Zustand beruht.

Unter­brin­gung in der Psych­ia­trie – und die Unzu­rech­nungs­fä­hig­keit

Der Defekt­zu­stand muss, um die not­wen­di­ge Gefähr­lich­keits­pro­gno­se tra­gen zu kön­nen, von län­ge­rer Dau­er sein. Pro­gnos­tisch muss eine Wahr­schein­lich­keit höhe­ren Gra­des dafür bestehen, der Täter wer­de infol­ge sei­nes fort­dau­ern­den Zustands in Zukunft erheb­li­che rechts­wid­ri­ge Taten bege­hen, durch wel­che die Opfer see­lisch oder kör­per­lich erheb­lich geschä­digt oder erheb­lich gefähr­det wer­den oder schwe­rer wirt­schaft­li­cher Scha­den ange­rich­tet wird (§ 63 Satz 1 StGB).

Der Tatrich­ter hat die der Unter­brin­gungs­an­ord­nung zugrun­de lie­gen­den Umstän­de in den Urteils­grün­den so umfas­send dar­zu­stel­len, dass das Revi­si­ons­ge­richt in die Lage ver­setzt wird, die Ent­schei­dung nach­zu­voll­zie­hen [1].

Erfor­der­lich ist auf der Ebe­ne der Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen stets eine kon­kre­ti­sie­ren­de Dar­stel­lung, in wel­cher Wei­se sich die näher fest­ge­stell­te psy­chi­sche Stö­rung bei Bege­hung der Tat auf die Hand­lungs­mög­lich­kei­ten des Beschul­dig­ten bzw. Ange­klag­ten in der kon­kre­ten Tat­si­tua­ti­on und damit auf sei­ne Ein­sichts- oder Steue­rungs­fä­hig­keit aus­ge­wirkt hat [2]. Dar­an fehlt es bezüg­lich bei­der Anlass­ta­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Dezem­ber 2016 – 1 StR 594/​16

  1. st. Rspr.; etwa BGH, Beschlüs­se vom 12.10.2016 – 4 StR 78/​16 Rn. 9; vom 15.01.2015 – 4 StR 419/​14, NStZ 2015, 394, 395; und vom 10.11.2015 – 1 StR 265/​15, NStZ-RR 2016, 76 f. mwN; sie­he Beschluss vom 13.10.2016 – 1 StR 445/​16 Rn. 16[]
  2. st. Rspr.; etwa BGH, Beschlüs­se vom 12.10.2016 – 4 StR 78/​16 Rn. 11; vom 17.06.2014 – 4 StR 171/​14, NStZ-RR 2014, 305, 306; und vom 23.08.2012 – 1 StR 389/​12, NStZ 2013, 98[]