Unter­stüt­zung einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung – durch lega­le Betä­ti­gun­gen

Die Betei­li­gungs­ak­te, die der Täter zur För­de­rung der Zwe­cke oder Tätig­keit der ter­ro­ris­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on ent­fal­tet, müs­sen für sich genom­men nicht straf­bar sein, um unter § 129a Abs. 1, § 129b StGB sub­su­miert wer­den zu kön­nen.

Unter­stüt­zung einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung – durch lega­le Betä­ti­gun­gen

Viel­mehr genü­gen auch sol­che Hand­lun­gen, die an sich betrach­tet nicht pöna­li­siert sind; Vor­aus­set­zung ist ledig­lich, dass sie Aus­fluss der Mit­glied­schaft des Täters in der Ver­ei­ni­gung sind und in deren Inter­es­se vor­ge­nom­men wer­den. Durch die­se Ver­knüp­fung erhal­ten auch iso­liert gese­hen lega­le Akti­vi­tä­ten, wenn sie für die Orga­ni­sa­ti­on ent­fal­tet wer­den, ihr Unwert­ur­teil1.

Ob eine mit­glied­schaft­li­che Betä­ti­gungs­hand­lung auch nach ande­ren Vor­schrif­ten straf­bar ist, hat daher für ihre Tat­be­stands­mä­ßig­keit nach § 129a Abs. 1, § 129b StGB kei­ne Bedeu­tung. Die Straf­bar­keit auch nach einer ande­ren Vor­schrift führt ledig­lich kon­kur­renz­recht­lich dazu, dass der in Tat­ein­heit zur mit­glied­schaft­li­chen Betei­li­gung ste­hen­de Rechts­ver­stoß in Real­kon­kur­renz zu den ande­ren, nicht gegen wei­te­re Straf­be­stim­mun­gen ver­sto­ßen­den Betä­ti­gungs­ak­ten steht, die ihrer­seits eine tat­be­stand­li­che Hand­lungs­ein­heit und damit nur eine Tat im mate­ri­el­len Sin­ne bil­den2.

Eine Betei­li­gung als Mit­glied darf nicht für Zei­ten ange­nom­men wer­den, in denen der Täter kei­ne Akti­vi­tä­ten für die Ver­ei­ni­gung ent­fal­tet. Eine län­ge­re Unter­bre­chung mit­glied­schaft­li­cher Betä­ti­gun­gen kann daher je nach Fall­ge­stal­tung zu einer recht­li­chen Zäsur in der tat­be­stand­li­chen Hand­lungs­ein­heit füh­ren3.

Aller­dings dür­fen in die straf­recht­li­che Bewer­tung nicht nur sol­che Betei­li­gungs­hand­lun­gen ein­ge­stellt wer­den, die dem Täter kon­kret nach Tat­zeit, Tat­ort und spe­zi­fi­zier­ter Tat­hand­lung belegt wer­den kön­nen. Viel­mehr ist im Hin­blick auf die pau­scha­li­sie­ren­de Fas­sung des Tat­be­stands der mit­glied­schaft­li­chen Betei­li­gung in § 129a Abs. 1, § 129b StGB auch der Nach­weis aus­rei­chend, dass der Täter wäh­rend des Tat­zeit­raums immer wie­der Akti­vi­tä­ten bestimm­ter Art zuguns­ten der Ver­ei­ni­gung erbracht hat.

Das ist etwa dann der Fall, wenn der Ange­klag­te im Tat­zeit­raum durch­ge­hend die übli­chen Tätig­kei­ten eines Gebiets­lei­ters der PKK ent­fal­tet, etwa im Spen­den- und Berichts­we­sen usw.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Juli 2016 – StB 23/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 09.07.2015 – 3 StR 537/​14, NJW 2016, 657, 658
  2. BGH aaO, S. 657
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 30.03.2001 – StB 4 – 5/​01, BGHSt 46, 349, 355 ff.