Unter­su­chungs­haft wäh­rend der Haupt­ver­hand­lung – und der drin­gen­de Tatverdacht

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung unter­liegt die Beur­tei­lung des drin­gen­den Tat­ver­dachts, die das Gericht wäh­rend lau­fen­der Haupt­ver­hand­lung vor­nimmt, im Haft­be­schwer­de­ver­fah­ren nur in ein­ge­schränk­tem Umfang der Nach­prü­fung durch das Beschwer­de­ge­richt1.

Unter­su­chungs­haft wäh­rend der Haupt­ver­hand­lung – und der drin­gen­de Tatverdacht

Allein das Gericht, vor dem die Beweis­auf­nah­me statt­fin­det, ist in der Lage, deren Ergeb­nis­se aus eige­ner Anschau­ung fest­zu­stel­len und zu wür­di­gen sowie auf die­ser Grund­la­ge zu bewer­ten, ob der drin­gen­de Tat­ver­dacht nach dem erreich­ten Ver­fah­rens­stand noch fort­be­steht oder dies nicht der Fall ist. Das Beschwer­de­ge­richt hat dem­ge­gen­über kei­ne eige­nen, unmit­tel­ba­ren Erkennt­nis­se über den Ver­lauf der Beweisaufnahme.

Aller­dings muss das Beschwer­de­ge­richt in die Lage ver­setzt wer­den, sei­ne Ent­schei­dung über das Rechts­mit­tel des Ange­klag­ten auf einer hin­rei­chend trag­fä­hi­gen tat­säch­li­chen Grund­la­ge zu tref­fen2, denn es hat in glei­cher Wei­se wie das Tat­ge­richt alle Vor­aus­set­zun­gen für den wei­te­ren Voll­zug der Unter­su­chungs­haft fest­zu­stel­len und ist daher nicht auf die Über­prü­fung der Haft­grün­de und der Ein­hal­tung des Grund­sat­zes der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit beschränkt.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung hat das erst­in­stanz­li­che Gericht dem Beschwer­de­ge­richt das Ergeb­nis sei­ner bis­he­ri­gen Beweis­erhe­bun­gen zumin­dest in zusam­men­fas­send knap­per Form zur Kennt­nis zu brin­gen, damit die­ses in eige­ner Ver­ant­wor­tung aus einer Zusam­men­schau des bis­her erziel­ten Ergeb­nis­ses der Beweis­auf­nah­me in der Haupt­ver­hand­lung mit den noch nicht in die­se ein­ge­führ­ten, nach den Ermitt­lun­gen aber zur Ver­fü­gung ste­hen­den wei­te­ren Bewei­sen beur­tei­len kann, ob der drin­gen­de Tat­ver­dacht wei­ter zu beja­hen ist3.

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Urkundenfälschung per Telefax

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 25. Mai 2021 – 2 Ws 150/​21 – 2 Ws 151/​21 – 2 Ws 152/​21

  1. BGH, Beschluss vom 14.01.2021, – StB 49/20- juris; BGH, Beschluss vom 04.02.2016 – StB 1/​16 BGH, Beschlüs­se vom 28.08.2014 – StB 22/​14, juris; 8.10.2012 – StB 9/​12 JR 2013, 419, 420; 7.08.2007 – StB 17/​07, juris; 19.12.2003 – StB 21/​03, BGHR StPO § 112 Tat­ver­dacht 3 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 14.01.2021, – StB 49/20- juris; BGH, Beschluss vom 22.10.2012 – StB 12/​12 7, NJW 2013, 247; Beschluss vom 21.04.2016 – StB 5/​16 11, NStZ-RR 2016, 217; Beschluss vom 22.09.2016 – StB 29/​16 7, NStZ-RR 2017, 18, Beschluss vom 29.09.2016 – StB 30/​16[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 29.09.2016 – StB 30/​16 5[]

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