Untreue, Bank­rott, Betrug – und die Verjährung

Die Ver­jäh­rungs­frist beginnt zu lau­fen, sobald die Tat been­det ist (§ 78a Satz 1 StGB). Dabei läuft bei Tat­ein­heit die Frist für jedes Delikt selb­stän­dig [1].

Untreue, Bank­rott, Betrug – und die Verjährung

Im Hin­blick auf die vor­ge­wor­fe­ne Untreue waren die Taten mit dem Abschluss der Ver­trä­ge [2] been­det, sodass die erst knapp sechs Jah­re spä­ter erfolg­te Anord­nung der Beschul­dig­ten­ver­neh­mung durch die Staats­an­walt­schaft, die als ers­te ver­jäh­rungs­un­ter­bre­chen­de Maß­nah­me in Betracht kommt, kei­ne Unter­bre­chung der fünf­jäh­ri­gen Ver­jäh­rungs­frist (§ 78 Abs. 3 Nr. 4, § 78c Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 StGB) bewirkt hat [3].

Dem­ge­gen­über beginnt die Ver­jäh­rung des Bank­rotts mit Ein­tritt der objek­ti­ven Straf­bar­keits­be­din­gung nach § 283 Abs. 6 StGB [4], die im hier ent­schie­de­nen Fall in der Vari­an­te der Zah­lungs­ein­stel­lung vor­liegt. Zah­lungs­ein­stel­lung im Sin­ne von § 17 Abs. 2 Satz 2 InsO ist das­je­ni­ge nach außen her­vor­tre­ten­de Ver­hal­ten des Schuld­ners, in dem sich typi­scher­wei­se aus­drückt, dass er nicht in der Lage ist, sei­ne fäl­li­gen Zah­lungs­pflich­ten zu erfül­len. Sie ist in einer Gesamt­schau anhand von Beweis­an­zei­chen zu fol­gern [5].

Im hier ent­schie­de­nen Fall erbrach­te die w. AG ab Okto­ber 2004 kei­ne Zah­lun­gen mehr auf die Dar­le­hens­schuld bei der Deut­schen Kre­dit­bank AG, nach­dem sie schon zuvor die Ein­stel­lung ihrer Tätig­keit wegen „wirt­schaft­li­cher Pro­ble­me“ ange­zeigt hat­te. Fer­ner kün­dig­te die Deut­sche Kre­dit­bank AG am 25.01.2005 das Dar­le­hen auf und stell­te den offe­nen Gesamt­be­trag fäl­lig, auf den sei­tens der w. AG in der Fol­ge kei­ne Zah­lung getä­tigt wur­de, sodass spä­tes­tens Anfang 2005 von einer Zah­lungs­ein­stel­lung aus­zu­ge­hen ist. Da es sich hier­bei um die For­de­rung eines Groß­gläu­bi­gers in beträcht­li­cher Höhe han­del­te, kommt der Fra­ge kei­ne Bedeu­tung zu, ob die w. AG mög­li­cher­wei­se ande­re Ver­bind­lich­kei­ten wei­ter­hin bedient hat [6].

Been­det ist die Betrugstat, wenn der Ver­mö­gens­vor­teil beim Täter end­gül­tig ein­ge­tre­ten ist [7]. Maß­geb­lich ist dafür nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs die Erlan­gung des letz­ten vom Tat­plan umfass­ten Ver­mö­gens­vor­teils [8].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Juni 2020 – 5 StR 435/​19

  1. BGH, Beschluss vom 02.03.2016 – 1 StR 619/​15, wis­tra 2016, 268; Urteil vom 24.10.2018 – 2 StR 299/​18, NSt­ZRR 2019, 108[]
  2. bzw. der Ein­tra­gung der Nieß­brauchs­rech­te und der Real­last im Grund­buch[]
  3. vgl. schon BGH, Beschluss vom 15.04.2020 – 5 StR 435/​19[]
  4. Fischer, StGB, 67. Aufl., § 283 Rn. 39 mwN[]
  5. BGH, Urteil vom 18.07.2013 – – IX ZR 143/​12, NZI 2013, 932; vgl. auch zur Fest­stel­lung der Zah­lungs­un­fä­hig­keit BGH, Beschlüs­se vom 21.08.2013 – 1 StR 665/​12, NJW 2014, 164; und vom 12.04.2018 – 5 StR 538/​17, BGHR InsO § 15 Abs. 4 Zah­lungs­un­fä­hig­keit 1[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 17.11.2016 – – IX ZR 65/​15, NZI 2017, 64 mwN; sie­he auch BGH, Urteil vom 22.02.2001 – 4 StR 421/​00, BGHR StGB § 283 Abs. 1 Nr. 1 Bei­sei­te­schaf­fen 4[]
  7. BGH, Beschluss vom 16.04.2014 – 2 StR 435/​13, NStZ 2014, 516[]
  8. BGH, Beschlüs­se vom 22.01.2004 – 5 StR 415/​03, wis­tra 2004, 228; und vom 18.11.2015 – 4 StR 76/​15, NStZ-RR 2016, 42[]