Urkun­den­fäl­schung – und die mehr­fach gebrauch­te Urkunde

Wird eine Urkun­de mehr­fach gebraucht, steht jeder die­ser Fäl­le grund­sätz­lich im Ver­hält­nis der Tatmehrheit.

Urkun­den­fäl­schung – und die mehr­fach gebrauch­te Urkunde

Aan­de­res kann nur gel­ten, wenn die spä­te­re Ver­wen­dung des Fal­si­fi­kats schon beim Fäl­schen ganz kon­kret und nicht nur in all­ge­mei­nen Umris­sen geplant war1.

So gab es in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ledig­lich die all­ge­mei­ne Über­le­gung, den Aus­weis bei einem Notar ein­zu­set­zen und bei mög­lichst vie­len Ban­ken Kon­ten zu eröff­nen. Dies reicht für die Annah­me einer Tat nicht aus. Eine Ver­klam­me­rung meh­re­rer Fäl­le des Gebrauch­ma­chens durch das Her­stel­len einer unech­ten Urkun­de kommt beim Gebrauch einer von frem­der Hand gefälsch­ten Urkun­de ohne­hin nicht in Betracht.

Die vier Kon­to­er­öff­nun­gen, die das Land­ge­richt als eine Urkun­den­fäl­schung im Rah­men der Tat 6 gewer­tet hat, wur­den bei vier ver­schie­de­nen Ban­ken an vier ver­schie­de­nen Tagen vor­ge­nom­men. Die zwei Kon­to­er­öff­nun­gen bei Tat 7 gescha­hen zwar inner­halb eines Tages, aber bei ver­schie­de­nen Ban­ken in deut­lich von­ein­an­der ent­fern­ten unter­schied­li­chen Orten. Dem­nach hät­te der Ange­klag­te nicht neun, son­dern 13 Urkun­den­fäl­schun­gen in Form des Gebrauch­ma­chens begangen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. April 2021 – 5 StR 339/​20

  1. vgl. BGH, Urteil vom 23.01.1962 – 1 StR 455/​61, BGHSt 17, 97; Beschluss vom 05.09.2018 – 2 StR 400/​17, NStZ-RR 2019, 7; LK-StGB/­Zieschang, 12. Aufl., § 267 Rn. 287 f., jeweils mwN[]

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