Urteils­auf­he­bung und Ver­fah­rens­ein­stel­lung wegen Ver­jäh­rung – und der nicht revi­die­ren­de Mit­an­ge­klag­te

Urteils­auf­he­bung und Ver­fah­rens­ein­stel­lung wegen Ver­jäh­rung sind auf den nicht revi­die­ren­den Mit­an­ge­klag­ten zu erstre­cken.

Urteils­auf­he­bung und Ver­fah­rens­ein­stel­lung wegen Ver­jäh­rung – und der nicht revi­die­ren­de Mit­an­ge­klag­te

§ 357 StPO fin­det auch in Fäl­len Anwen­dung, in denen die Auf­he­bung eines Urteils wegen Vor­lie­gens eines Ver­fah­rens­hin­der­nis­ses erfolgt 1. Dies gilt auch für das Ver­fah­rens­hin­der­nis der Ver­jäh­rung 2.

Die revi­die­ren­den und nicht­re­vi­die­ren­den Ange­klag­ten sind wegen der "näm­li­chen Tat" 3 ver­ur­teilt wor­den. Dar­auf, dass die Ange­klag­ten unter­schied­li­che Delik­te (hier: Bestechung bzw. Bestech­lich­keit) ver­wirk­licht haben, kommt es nicht an. Das Gesche­hen erscheint viel­mehr auf­grund des Zusam­men­wir­kens bei­der Ange­klag­ter auf­grund gemein­sa­mer Unrechts­ver­ein­ba­rung bei natür­li­cher Betrach­tung als ein­heit­li­cher Vor­gang 4, bei dem der eine Teil von dem ande­ren nicht gelöst wer­den kann, ohne dass der Sinn­zu­sam­men­hang der Tat oder des Gesamt­ge­sche­hens wesent­lich gestört wird 5.

Die wegen Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung gebo­te­ne Auf­he­bung der Schuld- und Straf­aus­sprü­che sowie die Ver­fah­rens­ein­stel­lung führt zu einer Schuld­spruch­än­de­rung sowie zur Auf­he­bung des Aus­spruchs über die Gesamt­stra­fe. Sie führt außer­dem – weil nach Ablauf der Ver­jäh­rungs­frist nicht nur die Ahn­dung der Tat, son­dern auch die Anord­nung von Maß­nah­men hin­sicht­lich der ver­jähr­ten Taten nicht mehr mög­lich ist 6 – zur Auf­he­bung der Ent­schei­dung über den Wert­er­satz­ver­fall hin­sicht­lich des nicht revi­die­ren­den Ange­klag­ten 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Okto­ber 2017 – 2 StR 252/​16

  1. BGH, Beschluss vom 23.01.1959 – 4 StR 428/​58; BGHSt 12, 335, 340; Urteil vom 26.05.1964 – 5 StR 136/​64, BGHSt 19, 320, 321; Beschluss vom 13.10.1982 – 3 StR 236/​82, StV 1983, 2; BGH, Beschluss vom 31.01.1986 – 2 StR 726/​85, StV 1986, 329[]
  2. BGH, Beschluss vom 16.09.1971 – 1 StR 284/​71, BGHSt 24, 208, 210 f. mwN; aA noch BGH, Beschluss vom 27.10.1955, 3 StR 316/​55, NJW 1955, 1934 m. abl. Anm. Wil­helm NJW 1956, 1646; BGH, Beschluss vom 29.11.1994 – 3 StR 221/​94, BGHR Pres­seG-BW § 24 Ver­jäh­rung 1[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 23.01.1959 – 4 StR 428/​58, BGHSt 12, 335, 341; Urteil vom 22.04.1983 – 3 StR 25/​83, BGHSt 31, 348[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 23.01.1959 – 4 StR 428/​58, BGHSt 12, 335, 341; Beck­OK-StPO/­Wied­ner, 28. Edi­ti­on, § 357 Rn. 12[]
  5. SSW-StPO/­Mom­sen, 2. Aufl., § 357 Rn. 16 mwN[]
  6. BGH, Beschluss vom 12.06.2017 – GSSt 2/​17, NJW 2017, 3537, 3539[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 06.11.2014 – 4 StR 290/​14, BGHR StPO § 357 Erstre­ckung 13; vom 13.02.2004 – 3 StR 501/​03[]