Urteils­fest­stel­lun­gen – und die hier­aus resul­tie­ren­den Begrün­dungs­pflich­ten

Die Pflicht, sich mit fest­ge­stell­ten Umstän­den aus­ein­an­der­zu­set­zen, wenn sie für die Anwen­dung des mate­ri­el­len Rechts erheb­lich sind, löst im Ein­zel­fall eine Begrün­dungs­pflicht aus, die auch über die Bestim­mung des § 267 Abs. 6 StPO hin­aus­ge­hen kann [1].

Urteils­fest­stel­lun­gen – und die hier­aus resul­tie­ren­den Begrün­dungs­pflich­ten

Kommt daher auf­grund der im Urteil getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen die Anord­nung einer Unter­brin­gung des Ange­klag­ten in einer Ent­zie­hungs­an­stalt gemäß § 64 StGB in Betracht, muss sich das Gericht aus Grün­den sach­li­chen Rechts [2] ver­an­lasst sehen, die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Unter­brin­gung des Ange­klag­ten in einer Ent­zie­hungs­an­stalt gemäß § 64 StGB zu prü­fen und in den Urteils­grün­den näher zu erör­tern.

Dem steht im hier ent­schie­de­nen Fall auch nicht ent­ge­gen, dass sich der Ange­klag­te unter dem Ein­druck der erfolg­ten Durch­su­chung aus eige­nem Antrieb erneut einer Ent­gif­tung unter­zog und bis zum Beginn der Haupt­ver­hand­lung – wobei er sich die letz­ten Mona­te unun­ter­bro­chen in Unter­su­chungs­haft befin­det – kein Can­na­bis kon­su­mier­te.

Die Fra­ge der Anord­nung der Maß­re­gel nach § 64 StGB bedurf­te im hier ent­schie­de­nen Fall daher unter Hin­zu­zie­hung eines Sach­ver­stän­di­gen (§ 246a Abs. 1 Satz 2 StPO) einer neu­en tatrich­ter­li­chen Ent­schei­dung. Dass nur der Ange­klag­te Revi­si­on ein­ge­legt hat, hin­dert die Nach­ho­lung der Unter­brin­gungs­an­ord­nung nicht [3]. Der Beschwer­de­füh­rer hat die Nicht­an­wen­dung des § 64 StGB durch das Tat­ge­richt nicht von sei­nem Rechts­mit­tel­an­griff aus­ge­nom­men.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. April 2020 – 5 StR 44/​20

  1. BGH, Urteil vom 17.05.1990 – 4 StR 162/​90; Beschluss vom 02.10.2019 – 3 StR 406/​19[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 02.10.2019 ? 3 StR 406/​19; Beschluss vom 03.12 2019 ? 4 StR 553/​19, Beschluss vom 08.01.2020 – 4 StR 548/​19[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 02.10.2019 – 3 StR 406/​19; und vom 07.01.2009 – 3 StR 458/​08, NStZ 2009, 261 f.; Urteil vom 10.04.1990 ? 1 StR 9/​90, MDR 1990, 735 f.[]