Vater­schafts­an­fech­tung durch den leib­li­chen Vater

Die Abstam­mung macht wie die sozi­al-fami­liä­re Ver­ant­wor­tungs­ge­mein­schaft glei­cher­ma­ßen den Gehalt des Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG aus; es gibt kein Rang­ver­hält­nis zwi­schen leib­li­cher und sozia­ler Vater­schaft.

Vater­schafts­an­fech­tung durch den leib­li­chen Vater

Die jewei­li­gen Inter­es­sen sind vom Gesetz­ge­ber zu berück­sich­ti­gen und abzu­wä­gen. Zu berück­sich­ti­gen sind dabei die Inter­es­sen der ein­zel­nen Mit­glie­der des Fami­li­en­ver­bands [1].

Es ist ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt, wenn der Gesetz­ge­ber dem leib­li­chen Vater die Anfech­tung der Vater­schaft – selbst wenn er eine sozi­al-fami­liä­re Bezie­hung zum Kind hat – nicht ermög­licht, um einen bestehen­den fami­liä­ren Zusam­men­halt zwi­schen dem Kind und sei­nen recht­li­chen Eltern zu wah­ren, weil durch den Wech­sel in der Vater­stel­lung zum leib­li­chen Vater die­ser Fami­li­en­ver­band durch die Auf­lö­sung der Rechts­be­zie­hun­gen beein­träch­tigt wür­de [2].

Nach der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te fällt die Fra­ge, ob dem ver­meint­li­chen bio­lo­gi­schen Vater die Vater­schafts­an­fech­tung zu gestat­ten ist, wenn die recht­li­che und die sozia­le Vater­schaft über­ein­stim­men, in den Ermes­sen­spiel­raum der Staa­ten [3].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Janu­ar 2020 – 1 BvR 2715/​18

  1. vgl. BVerfGE 108, 82, 105 ff.[]
  2. vgl. BVerfGE 108, 82, 109 f.; BVerfG, Beschlüs­se vom 04.12 2013 – 1 BvR 1154/​10, Rn. 5; und vom 24.02.2015 – 1 BvR 562/​13, Rn. 7[]
  3. EGMR, Kau­tzor v. Deutsch­land, Urteil vom 22.03.2012, Nr. 23338/​09 § 78 f.; Ahrens v. Deutsch­land, Urteil vom 22.03.2012, Nr. 45071/​09 § 74 f.; K. v. Deutsch­land, Urteil vom 11.12 2012, Nr. 11858/​10 § 20[]