Ver­ab­re­dung eines Ver­bre­chens – und der inne­re Vor­be­halt des Ande­ren

Die Ver­ab­re­dung eines Ver­bre­chens (§ 30 Abs. 2 Vari­an­te 3 StGB) setzt die Wil­lens­ei­ni­gung von min­des­tens zwei tat­säch­lich zur Tat­be­ge­hung Ent­schlos­se­nen vor­aus, an der Ver­wirk­li­chung eines hin­rei­chend kon­kre­ti­sier­ten Ver­bre­chens mit­tä­ter­schaft­lich mit­zu­wir­ken. Auch der selbst fest Ent­schlos­se­ne ist daher nicht der Ver­bre­chens­ver­ab­re­dung schul­dig, wenn der oder die ande­ren den inne­ren Vor­be­halt haben, sich tat­säch­lich nicht als Mit­tä­ter an der ver­ein­bar­ten Tat betei­li­gen zu wol­len.

Ver­ab­re­dung eines Ver­bre­chens – und der inne­re Vor­be­halt des Ande­ren

Das Sich­be­reit­erklä­ren zu einem Ver­bre­chen (§ 30 Abs. 2 Vari­an­te 1 StGB) ist hin­ge­gen unab­hän­gig von der sub­jek­ti­ven Ein­stel­lung des Erklä­rungs­emp­fän­gers, so dass des­sen inne­rer Vor­be­halt, die Tat nicht zu wol­len, eine Straf­bar­keit nach die­ser Tat­be­stands­va­ri­an­te nicht hin­dert.

Der Annah­me des Erbie­tens zu einem Ver­bre­chen (§ 30 Abs. 2 Vari­an­te 2 StGB) steht nicht ent­ge­gen, dass das Erbie­ten des ande­ren nur zum Schein ange­nom­men wird.

Straf­grund der Ver­bre­chens­ver­ab­re­dung ist die durch eine Wil­lens­bin­dung meh­re­rer Per­so­nen gestei­ger­te Gefahr für das bedroh­te Rechts­gut. Die Gefähr­lich­keit kon­spi­ra­ti­ven Zusam­men­wir­kens Meh­re­rer liegt dar­in, dass es Grup­pen­dy­na­mik ent­fal­ten, die Betei­lig­ten psy­chisch bin­den und so die spä­te­re Aus­füh­rung der Tat wahr­schein­li­cher machen kann 1. Die Ver­bre­chens­ver­ab­re­dung ist Vor­stu­fe der Mit­tä­ter­schaft 2. Vor­aus­set­zung für die Straf­bar­keit wegen Ver­ab­re­dung eines Ver­bre­chens nach § 30 Abs. 2 Vari­an­te 3 StGB ist daher, dass eine Wil­lens­ei­ni­gung von jeden­falls zwei tat­säch­lich zur Tat­be­ge­hung ent­schlos­se­nen Per­so­nen zustan­de gekom­men ist, an der Ver­wirk­li­chung eines hin­rei­chend kon­kre­ti­sier­ten Ver­bre­chens mit­tä­ter­schaft­lich mit­zu­wir­ken 3.

Vor­aus­set­zung des Sich­be­reit­erklä­rens in der Form des Erbie­tens nach § 30 Abs. 2 Vari­an­te 1 StGB ist dage­gen die ernst­ge­mein­te, mit Bin­dungs­wil­len gegen­über dem Adres­sa­ten abge­ge­be­ne Kund­ga­be der eige­nen Bereit­schaft zur täter­schaft­li­chen Ver­wirk­li­chung eines Ver­bre­chens. Dies kann ent­we­der in der Form der Annah­me einer Auf­for­de­rung oder – wie hier – als akti­ves Erbie­ten gesche­hen 4.

Der Bun­des­ge­richts­hof braucht dabei nicht zu ent­schei­den, ob die­se zwei­te Alter­na­ti­ve vor­aus­setzt, dass der Erbie­ten­de als prä­sum­ti­ver Täter sei­nen Tatent­schluss unter die Bedin­gung der Annah­me des Erbie­tens stellt (soge­nann­tes "ech­tes" Erbie­ten, vgl. Rogall in Fest­schrift Pup­pe, 2011, S. 859, 869 Fn. 94; Roxin, AT II, § 28 Rn. 79; LK/​Schünemann, aaO Rn. 90), oder ob auch der bei Kund­ga­be sei­ner Bereit­schaft bereits fest zur Tat Ent­schlos­se­ne erfasst ist 5. Denn das Land­ge­richt hat im hier ent­schie­de­nen Fall aus­drück­lich fest­ge­stellt, dass T. nicht von vorn­her­ein, son­dern erst durch die (schein­ba­re) Zustim­mung H. s und S. s end­gül­tig zur Tat ent­schlos­sen war.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. März 2017 – 3 StR 260/​16

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 16.03.2011 – 5 StR 581/​10, NStZ 2011, 570, 571; vom 08.12 2015 – 3 StR 438/​15, BGHSt 61, 84, 92; Münch­Komm-StG­B/Jo­ecks, 3. Aufl., § 30 Rn. 53; LK/​Schünemann, StGB, 12. Aufl., § 30 Rn. 11[]
  2. vgl. LK/​Schünemann, aaO Rn. 72 mwN[]
  3. vgl. bereits RG, Urteil vom 27.11.1924 – II 754/​24, RGSt 58, 392, 393; fer­ner BGH, Urtei­le vom 03.12 1958 – 2 StR 500/​58, BGHSt 12, 306, 309; vom 29.07.1980 – 1 StR 326/​80, Umdr. S. 4 [unver­öf­fentl.]; vom 07.04.1998 – 1 StR 801/​97, NStZ 1998, 403, 404; vom 28.06.2007 – 3 StR 140/​07, NStZ 2007, 697; vom 13.11.2008 – 3 StR 403/​08, NStZ 2009, 497 f.; Beschluss vom 11.08.1999 – 5 StR 217/​99, BGHR StGB § 30 Abs. 2 Ver­ab­re­dung 5; SK-StG­B/Ho­yer, 35. Lfg., § 30 Rn. 48; Mau­rach, JZ 1961, 137, 139; Roxin AT – II § 28 Rn. 47 ff.; LK/​Schünemann, aaO Rn. 63; NK-StGB-Zac­zyk, 4. Aufl., § 30 Rn. 50[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 17.12 2014 – StB 10/​14, NJW 2015, 1032, 1033 mwN[]
  5. so Münch­Komm-StG­B/Jo­ecks, aaO Rn. 44[]