Ver­ab­re­dung zum Mord

Bei der Ver­ab­re­dung eines kon­kre­ten Ver­bre­chens muss das Tat­ge­sche­hen zwar nicht bereits in allen Ein­zel­hei­ten fest­ge­legt sein, die Tat muss aber ? eben­so wie dies beim Tat­plan für eine mit­tä­ter­schaft­li­che Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung oder beim Anstif­ter­vor­satz der Fall ist [1] – zumin­dest in ihren wesent­li­chen Grund­zü­gen kon­kre­ti­siert sein [2].

Ver­ab­re­dung zum Mord

Wie weit die ver­ab­re­de­te Tat danach im Ein­zel­fall nach Ver­ein­ba­rung und Vor­stel­lungs­bild der Mit­tä­ter kon­kre­ti­siert sein muss, rich­tet sich wesent­lich nach der Art der Tat [3].

Danach war in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall eine hin­rei­chen­de Kon­kre­ti­sie­rung der ver­ab­re­de­ten Tat nur hin­sicht­lich der Ver­ab­re­dung zum uner­laub­ten Erwerb der tat­säch­li­chen Gewalt über Kriegs­waf­fen gege­ben, nicht aber hin­sicht­lich der Ver­ab­re­dung zum Mord in drei tat­ein­heit­li­chen Fäl­len:

Der von den Ange­klag­ten ver­ab­re­de­te Erwerb der tat­säch­li­chen Gewalt von Schuss­waf­fen war hin­sicht­lich des gesam­ten Tat­ge­sche­hens über­schau­bar und ver­gleichs­wei­se ein­fach in Orga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung. Der gemein­sa­me Tat­plan war bereits früh­zei­tig dar­auf fest­ge­legt, dass es sich bei den zu erwer­ben­den Waf­fen um Hand­gra­na­ten und Kalasch­ni­kows oder – hilfs­wei­se – ande­re Schuss­waf­fen han­deln soll­te, die über den Bekann­ten des Ange­klag­ten D. beschafft wer­den soll­ten und die bei­de Ange­klag­ten in Besitz neh­men woll­ten. Mit der SMS des D. vom 31.06.2017 wur­den die zu erwer­ben­den Schuss­waf­fen wei­ter dahin kon­kre­ti­siert, dass es sich hier­bei um sol­che der Art Win­ches­ter Kali­ber 44 Magnum mit Muni­ti­on und Kali­ber 22 mit Ziel­rohr sowie Schall­dämp­fer und Rim­fire Muni­ti­on han­deln soll­te. Nach den land­ge­richt­li­chen Fest­stel­lun­gen waren auch Tat­zeit und Tat­ort von den Ange­klag­ten ins Auge gefasst. Dass der Erwerb von der erfolg­rei­chen Ein­trei­bung wei­te­ren Bar­gel­des zur Bezah­lung der Waf­fen und damit dem Ein­tritt einer Bedin­gung abhän­gig war, steht der Kon­kre­ti­sie­rung nicht ent­ge­gen.

Anders liegt der Fall indes mit Blick auf die Ver­ab­re­dung zum Mord in drei tat­ein­heit­li­chen Fäl­len. Die Vor­stel­lun­gen der Ange­klag­ten von dem Tat­ge­sche­hen – das Hin­ein­schie­ßen in die Fens­ter der jewei­li­gen Haft­räu­me der Jus­tiz­voll­zugs­an­stal­ten mit­tels der noch zu erwer­ben­den Waf­fen – blie­ben nach den getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen trotz der hohen Anfor­de­run­gen an Pla­nung, Orga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung der ver­ab­re­de­ten Tat im Vagen und Unge­wis­sen. Ins­be­son­de­re fehl­te es nach den Fest­stel­lun­gen an kon­kre­ten Über­le­gun­gen der Ange­klag­ten, um wel­che Haft­räu­me und damit auch Fens­ter es über­haupt ging, bei wel­cher Gele­gen­heit die Tat aus­ge­führt wer­den könn­te und wie das Hin­ein­schie­ßen in die Haft­räu­me durch die (gesi­cher­ten) Fens­ter über­haupt zu bewerk­stel­li­gen sein könn­te. Die Tat, für deren Durch­füh­rung noch nicht ein­mal die erfor­der­li­chen Waf­fen beschafft waren, war damit ledig­lich als vage Idee von den Ange­klag­ten ent­wi­ckelt, aber noch nicht als kon­kre­tes Tat­ge­sche­hen zwi­schen die­sen ver­ein­bart, weil es an einer Fest­le­gung auf die hier wesent­li­chen nähe­ren Tat­mo­da­li­tä­ten und damit auch auf beid­sei­ti­ge mit­tä­ter­schaft­li­che Bei­trä­ge zur Tat­aus­füh­rung fehl­te [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. April 2020 – 1 StR 586/​19

  1. BGH, Beschluss vom 21.11.2018 – 1 StR 506/​18 Rn. 5; LK-Schü­ne­mann, StGB, 12. Aufl., § 30 Rn. 67 mwN; MK-Joecks, StGB, 3. Aufl., § 30 Rn. 57; Schönke/​Schröder/​Heine/​Weißer, StGB, 30. Aufl., § 30 Rn. 24[]
  2. BGH, Beschluss vom 21.11.2018 – 1 StR 506/​18 Rn. 5; Urteil vom 28.06.2007 ? 3 StR 140/​07 Rn. 7, zur Anstif­tung vgl. BGH, Urteil vom 21.04.1986 – 2 StR 661/​85, BGHSt 34, 63, 66 mwN; RGSt 26, 361, 362; 34, 327 f.; Fischer, StGB, 67. Aufl., § 30 Rn. 10; LK-Schü­ne­mann, aaO, Rn. 67 ff.; Waß­mer in: Leipold/​Tsambikakis/​Zöller, Anwalt­kom­men­tar StGB, 3. Aufl., § 30 Rn. 17; Lackner/​Kühl, StGB, 29. Aufl., § 30 Rn. 3 mwN; Heger/​Petzsche in: Matt/​Renzikowski, StGB, 2. Aufl., § 30 Rn.20[]
  3. Fischer, aaO, Rn. 10, mwN; Schönke/​Schröder/​Heine/​Weißer, aaO, Rn. 5[]
  4. vgl. auch BGH, Urteil vom 13.11.2008 – 3 StR 403/​08 Rn. 9, 11[]