Ver­ab­re­dung zum Mord

Die Straf­bar­keit wegen Ver­ab­re­dung eines Ver­bre­chens setzt nach § 30 Abs. 2, 3. Alt. StGB den Ent­schluss von min­des­tens zwei Per­so­nen zur Bege­hung eines bestimm­ten Ver­bre­chens als Mit­tä­ter vor­aus 1.

Ver­ab­re­dung zum Mord

Die in Aus­sicht genom­me­ne Tat muss dabei nicht bereits in allen Ein­zel­hei­ten fest­ge­legt, sie muss aber – eben­so wie dies beim Tat­plan für eine mit­tä­ter­schaft­li­che Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung oder beim Anstif­ter­vor­satz der Fall ist 2 – zumin­dest in ihren wesent­li­chen Grund­zü­gen kon­kre­ti­siert sein 3.

Eine straf­ba­re Ver­bre­chens­ver­ab­re­dung wird danach zwar nicht dadurch aus­ge­schlos­sen, dass Zeit, Ort und Moda­li­tä­ten der Aus­füh­rung im Ein­zel­nen noch offen sind 4. Tat­zeit, Tat­be­tei­lig­te, Tat­ob­jekt und sons­ti­ge Umstän­de der Tat kön­nen indes nicht völ­lig im Vagen blei­ben 5, weil sonst die Straf­bar­keit zu weit ins Vor­feld der eigent­li­chen Tat vor­ver­la­gert wür­de.

Beson­de­re Anfor­de­run­gen gel­ten vor allem dann, wenn es bei der ver­ab­re­de­ten Tat um eine Straf­tat gegen die Per­son geht 6.

Hier­an gemes­sen war das in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall von den Ange­klag­ten ins Auge gefass­te Tötungs­de­likt noch nicht hin­rei­chend kon­kre­ti­siert. Weder war nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts die Tat­zeit näher bestimmt noch die kon­kre­te Bege­hungs­form. Gespro­chen wur­de über einen Über­fall auf die in der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt befind­li­chen S. , B. und M. , denen ein Mord am Bru­der des Mit­an­ge­klag­ten zur Last gelegt wur­de, sowie über ein Wer­fen von Hand­gra­na­ten oder die Abga­be von Schüs­sen in die Werk­statt oder das Haus des Ma. , dem Onkel von S. und B. . Gera­de in Anbe­tracht der erheb­li­chen Schwie­rig­kei­ten des Mit­an­ge­klag­ten, die für den Erwerb der zur Tat­be­ge­hung erfor­der­li­chen Waf­fen nöti­gen Geld­mit­tel zu beschaf­fen, war auch der Zeit­punkt der Tat­be­ge­hung noch unge­wiss. Die Ver­ab­re­dung hat­te sich auch noch nicht auf eine kon­kre­te Per­son fokus­siert, auf die der Angriff gerich­tet sein soll­te. Viel­mehr stan­den nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts S. , B. und M. als mög­li­che Ziel­per­so­nen im Raum sowie deren Ange­hö­ri­ge und etwa im Anwe­sen des Ma. auf­häl­ti­ge Per­so­nen.

Es lag damit hin­sicht­lich des ins Auge gefass­ten Tötungs­de­likts ledig­lich ein all­ge­mei­nes Pla­nungs­und Vor­be­rei­tungs­sta­di­um vor, das sich noch nicht auf eine den Anfor­de­run­gen des § 30 Abs. 2, 3. Alt. StGB ent­spre­chend kon­kre­ti­sier­te Tat bezog. Dies gilt umso mehr, weil weder Waf­fen noch Geld für die ange­dach­te Tat vor­han­den waren, zumal der Ange­klag­te einen zunächst vom Mit­an­ge­klag­ten ein­ge­sam­mel­ten Teil­be­trag abspra­che­wid­rig für sich ver­wen­de­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Novem­ber 2018 – 1 StR 506/​18

  1. BGH, Beschluss vom 16.03.2011 – 5 StR 581/​10, NStZ 2011, 570, 571; Fischer, StGB, 65. Aufl., § 30 Rn. 12; Schönke/​Schröder/​Heine/​Weißer, StGB, 29. Aufl., § 30 Rn. 24; jeweils mwN[]
  2. LKSchü­ne­mann, StGB, 12. Aufl., § 30 Rn. 67 mwN; MKJo­ecks, StGB, 3. Aufl., § 30 Rn. 57; Schönke/​Schröder/​Heine/​Weißer, StGB, 29. Aufl., § 30 Rn. 24[]
  3. BGH, Urteil vom 28.06.2007 – 3 StR 140/​07, NStZ 2007, 697; LKSchü­ne­mann, StGB, § 30 Rn. 67; Lackner/​Kühl, StGB, 29. Aufl., § 30 Rn. 3 mwN[]
  4. BGH, Urtei­le vom 28.06.2007 – 3 StR 140/​07, NStZ 2007, 697; und vom 29.03.1960 – 1 StR 636/​59, BeckRS 1960, 31192534; LKSchü­ne­mann, StGB, 12. Aufl., § 30 Rn. 67 mwN[]
  5. BGH, Beschluss vom 09.02.1994 – 2 StR 557/​93, StV 1994, 528; MKJo­ecks, StGB, 3. Aufl., § 30 Rn. 62[]
  6. vgl. Fischer, StGB, 65. Aufl., § 30 Rn. 7 mwN; zum Mei­nungs­stand LKSchü­ne­mann, StGB, § 30 Rn. 68 mwN[]