Ver­ab­re­dung zur Al Quai­da-Mit­glied­schaft

§ 30 Abs. 2 Var. 1 StGB ist auf den Ver­bre­chens­tat­be­stand der Betei­li­gung an einer (aus­län­di­schen) ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung als Mit­glied nach § 129a Abs. 1 Nr. 1, § 129b Abs. 1 Satz 1 und 2 StGB anwend­bar. Dies steht mit dem Wort­laut der Nor­men im Ein­klang; ins­be­son­de­re nimmt § 30 StGB nicht ein­zel­ne Ver­bre­chen aus sei­nem Anwen­dungs­be­reich her­aus.

Ver­ab­re­dung zur Al Quai­da-Mit­glied­schaft

Auch aus Sinn und Zweck der Rege­lun­gen ergibt sich im Ergeb­nis nichts ande­res: Zwar darf nicht aus dem Blick gera­ten, dass sowohl § 30 StGB als auch die §§ 129 ff. StGB bereits jeweils für sich genom­men die Straf­bar­keit in das Vor­feld der eigent­li­chen Rechts­guts­ver­let­zung ver­la­gern und durch die Kumu­la­ti­on die­ser Wir­kun­gen im Ein­zel­fall die Gren­ze zwi­schen der ver­fas­sungs­recht­lich noch zu recht­fer­ti­gen­den Ver­fol­gung straf­ba­ren Unrechts und die­sen Bereich ver­las­sen­den rei­nem Prä­ven­ti­ons­recht erreicht wer­den kann. Maß­ge­bend ist jedoch, dass § 30 StGB einer­seits und die §§ 129 ff. StGB ande­rer­seits unter­schied­li­che Straf­zwe­cke ver­fol­gen. Straf­grund des § 30 StGB ist die Gefähr­lich­keit eines zumin­dest ange­streb­ten Zusam­men­wir­kens meh­re­rer bereits vor Ein­tritt in das Ver­suchs­sta­di­um [1].

Dem­ge­gen­über sol­len die §§ 129 ff. StGB die erhöh­te kri­mi­nel­le Inten­si­tät erfas­sen, die in der Grün­dung oder Fort­füh­rung einer fest­ge­füg­ten, auf die Bege­hung von Straf­ta­ten ange­leg­ten Orga­ni­sa­ti­on ihren Aus­druck fin­det und die kraft der ihr inne­woh­nen­den Eigen­dy­na­mik eine erhöh­te Gefähr­lich­keit in sich birgt; denn die­se Eigen­dy­na­mik führt typi­scher­wei­se dazu, dass dem ein­zel­nen Betei­lig­ten die Bege­hung von Straf­ta­ten erleich­tert und bei ihm das Gefühl der per­sön­li­chen Ver­ant­wort­lich­keit zurück­ge­drängt wird [2].

Aus dem im Rah­men des § 30 StGB zu stel­len­den Erfor­der­nis des Zusam­men­wir­kens meh­re­rer folgt, dass die blo­ße Kund­ga­be, ein Ver­bre­chen bege­hen zu wol­len, den Tat­be­stand des § 30 Abs. 2 Var. 1 StGB nicht erfüllt; viel­mehr muss die Erklä­rung dar­auf gerich­tet sein, sich gegen­über deren Adres­sa­ten zu bin­den, sei es in Form der Annah­me einer durch die­sen gemach­ten Auf­for­de­rung, sei es in Form eines akti­ven Sicher­bie­tens die­sem gegen­über in der Erwar­tung, dass er dem Delikts­plan zustim­men wer­de [3]. Die­se beab­sich­tig­te Selbst­bin­dung macht es erfor­der­lich, dass die Erklä­rung ernst­haft sein muss [4].

Im Fall des Sich­be­reit­erklä­rens zur mit­glied­schaft­li­chen Betei­li­gung an einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung kommt Fol­gen­des hin­zu: Die Betei­li­gung als Mit­glied setzt eine gewis­se for­ma­le Ein­glie­de­rung des Täters in die Orga­ni­sa­ti­on und damit eine Bezie­hung vor­aus, die ihrer Natur nach der Ver­ei­ni­gung nicht auf­ge­drängt wer­den kann, son­dern ihre Zustim­mung erfor­dert. Die mit­glied­schaft­li­che Betei­li­gung muss von einem ein­ver­nehm­li­chen Wil­len zu einer fort­dau­ern­den Teil­nah­me am Ver­bands­le­ben getra­gen sein [5].

Zwar schließt die Not­wen­dig­keit einer Mit­wir­kung ande­rer an der Ver­bre­chens­be­ge­hung die Vari­an­te des Sich­be­reit­erklä­rens nicht aus [6]. Die dar­ge­leg­ten delikts­spe­zi­fi­schen Beson­der­hei­ten sind jedoch auch im Vor­be­rei­tungs­sta­di­um des § 30 StGB zu beach­ten.

Hier­aus folgt, dass die erfor­der­li­che Selbst­bin­dung erst und nur dann ange­nom­men wer­den kann, wenn die Erklä­rung dem­je­ni­gen gegen­über abge­ge­ben wird, des­sen Mit­wir­kung not­wen­dig ist, im Fal­le der § 129a Abs. 1, 2 und 4, § 129b StGB mit­hin gegen­über einem Reprä­sen­tan­ten der ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung.

Da im vor­lie­gen­den Fall die­se Erklä­rung die Ver­ei­ni­gung erreich­te, braucht der Bun­des­ge­richts­hof auch nicht zu ent­schei­den, ob der Zugang einer Erklä­rung Vor­aus­set­zung für eine Straf­bar­keit nach § 30 Abs. 2 Var. 1 StGB ist [7].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Dezem­ber 2014 – StB 10/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 04.10.1957 – 2 StR 366/​57, BGHSt 10, 388, 389 f.; Schrö­der, JuS 1967, 289[]
  2. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urteil vom 14.08.2009 – 3 StR 552/​08, BGHSt 54, 69, 110[]
  3. LK/​Schünemann, StGB, 12. Aufl., § 30 Rn. 90; SK-StGB/Ho­yer, 35. Lfg., § 30 Rn. 37; S/​S‑Heine/​Weißler, StGB, 29. Aufl., § 30 Rn. 22; Schrö­der aaO, 291[]
  4. BGH, Urteil vom 11.05.1954 – StE 152/​52, BGHSt 6, 346, 347[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 29.07.1992 – 3 StR 132/​92, NStZ 1993, 37, 38; Urteil vom 14.08.2009, aaO, S. 113[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 20.03.1962 – 1 StR 71/​62, GA 1963, 126, 127 zur Erklä­rung gegen­über einer Schwan­ge­ren, an die­ser einen Schwan­ger­schafts­ab­bruch vor­zu­neh­men[]
  7. vgl. zu den ver­schie­de­nen Ansich­ten Münch­Komm-StGB/­Jo­ecks, 2. Aufl., § 30 Rn. 48[]