Ver­bo­te­ne Auto­rennen – und die Höchstgeschwindigkeit

Das Merk­mal der höchst­mög­li­chen Geschwin­dig­keit im Sin­ne von § 315d Abs. 1 Nr. 3 StGB meint nicht die tech­ni­sche Höchst­ge­schwin­dig­keit des geführ­ten Fahr­zeugs, son­dern die in der kon­kre­ten Ver­kehrs­si­tua­ti­on erziel­ba­re rela­ti­ve Höchstgeschwindigkeit.

Ver­bo­te­ne Auto­rennen – und die Höchstgeschwindigkeit

Zwar ist im Hin­blick auf den Bestimmt­heits­grund­satz (Art. 103 Abs. 2 GG) eine zurück­hal­ten­de Anwen­dung der Vor­schrift des § 315d Abs. 1 Nr. 3 StGB ange­zeigt1. Das Tat­be­stands­merk­mal der „höchst­mög­li­chen Geschwin­dig­keit“ im Sin­ne die­ser Vor­schrift meint indes­sen nicht die tech­ni­sche Höchst­ge­schwin­dig­keit des geführ­ten Fahr­zeugs, son­dern die in der kon­kre­ten Ver­kehrs­si­tua­ti­on erziel­ba­re rela­ti­ve Höchst­ge­schwin­dig­keit2

Das hier­bei vor­aus­ge­setz­te Han­deln, um eine höchst­mög­li­che Geschwin­dig­keit zu errei­chen, setzt dem­nach ledig­lich vor­aus, dass es dem Täter dar­auf ankommt, in der kon­kre­ten Ver­kehrs­si­tua­ti­on die durch sein Fahr­zeug beding­te oder nach sei­nen Fähig­kei­ten und nach den Wet­ter, Ver­kehrs, Sicht- oder Stra­ßen­ver­hält­nis­sen maxi­mal mög­li­che Geschwin­dig­keit zu errei­chen, wobei auch der Wil­le, vor einem ver­fol­gen­den Poli­zei­fahr­zeug zu flie­hen, die­se Absicht gera­de nicht aus­schließt3.

Ein Abstel­len auf eine abso­lu­te Höchst­ge­schwin­dig­keit steht daher nicht nur in Wider­spruch zum Wil­len des Gesetz­ge­bers4, son­dern wür­de den Tat­be­stand des § 315d Abs. 1 Nr. 1 StGB prak­tisch nahe­zu leer­lau­fen las­sen, weil die abso­lu­te Höchst­ge­schwin­dig­keit, ins­be­son­de­re bei hoch­mo­to­ri­sier­ten Fahr­zeu­gen, in vie­len Ver­kehrs­si­tua­tio­nen nicht erreich­bar ist und deren Fah­rer unan­ge­mes­sen begüns­ti­gen wür­de5.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 28. April 2021 – 3 Ss 25/​21

  1. vgl. KG VRS 135, 267[]
  2. KG a.a.O.[]
  3. OLG Stutt­gart, NJW 2019, 2787 mit Anm. Zopfs; LK-StGB/Lauf­hüt­te, 13. Aufl., § 315d Rn. 29[]
  4. vgl. BT-Drs. 18/​12964, S. 5 f.[]
  5. Wei­land in: Freymann/​Wellner, juris­PK- Stra­ßen­ver­kehrs­recht, 1. Aufl., § 315d StGB; Jan­sen, Im Rausch der Geschwindigkeit(-sbegriffe), Eine kri­ti­sche Betrach­tung des § 315 d I Nr. 3 StGB, NZV 2019, 285; Preuß, Ein Jahr Straf­bar­keit ver­bo­te­ner Kraft­fahr­zeug­ren­nen nach § 315d StGB – Eine ers­te Bilanz, ins­be­son­de­re zur Straf­bar­keit des“ Ein­zel­ra­sens“, NZV 2018, 537[]

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