Ver­dacht­s­tat­sa­chen

Indi­z­tat­sa­chen, aus denen Schluss­fol­ge­run­gen zum Nach­teil eines Ange­klag­ten gezo­gen wer­den sol­len, müs­sen zur Über­zeu­gung des Tat­ge­richts fest­ste­hen. Andern­falls kommt der Zwei­fels­satz zum Tra­gen 1.

Ver­dacht­s­tat­sa­chen

Dies gilt auch für die Bege­hung ver­gleich­ba­rer wei­te­rer Straf­ta­ten, aus der Schluss­fol­ge­run­gen zum Nach­teil des Ange­klag­ten im kon­kre­ten Fall gezo­gen wer­den sol­len 2.

Der blo­ße Ver­dacht der Bege­hung wei­te­rer Taten kann für den Nach­weis der kon­kret abzu­ur­tei­len­den Tat kei­ne Indi­zwir­kung ent­fal­ten.

Aus der Tat­sa­che, dass dem Ange­klag­ten unbe­wie­se­ne wei­te­re Ver­bre­chen zur Last gelegt wer­den, dür­fen kei­ne Schluss­fol­ge­run­gen zu sei­nem Nach­teil gezo­gen wer­den. An einer hier­an feh­ler­haf­ten Beweis­wür­di­gung ändert auch der Hin­weis nichts, dass die Straf­kam­mer die Beweis­grün­de für jene Ver­dachts­an­nah­me ("die letzt­ge­nann­ten Umstän­de") im vor­lie­gen­den Fall unbe­rück­sich­tigt gelas­sen habe. Die­ser Hin­weis steht in offen­kun­di­gem Wider­spruch zur vor­aus­ge­gan­ge­nen Dar­le­gung, aus dem Tat­ver­dacht auf die Motiv­la­ge des Ange­klag­ten geschlos­sen zu haben. Das Land­ge­richt hat daher jeden­falls den Ver­dacht der Bege­hung wei­te­rer Raub­über­fäl­le in sei­ne Gesamt­wür­di­gung ein­be­zo­gen. Das ist rechts­feh­ler­haft.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Dezem­ber 2016 – 2 StR 379/​16

  1. vgl. Lieb­hardt, NStZ 2016, 134, 136; Schä­fer, StV 1995, 147, 150[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 21.04.2016 – 2 StR 435/​15[]