Ver­de­ckungs­mord – und die bereits began­ge­nen Miss­hand­lun­gen

Der Annah­me eines Ver­de­ckungs­mor­des steht grund­sätz­lich nicht ent­ge­gen, dass sich bereits die zu ver­de­cken­de Vor­tat gegen Leib und Leben des Opfers rich­tet 1.

Ver­de­ckungs­mord – und die bereits began­ge­nen Miss­hand­lun­gen

Um eine ande­re – zu ver­de­cken­de – Straf­tat im Sin­ne des § 211 Abs. 2 StGB han­delt es sich jedoch dann nicht, wenn der Täter nur die­je­ni­ge Tat ver­de­cken will, die er gera­de begeht.

Will der Täter im Zuge der Tat­aus­füh­rung den Tötungs­er­folg zusätz­lich her­bei­füh­ren, um sei­ne vor­he­ri­gen Tat­hand­lun­gen zu ver­de­cken, ist daher für die Annah­me eines Ver­de­ckungs­mor­des dann kein Raum, wenn der Täter bereits von Anfang an mit Tötungs­vor­satz gegen das Opfer gehan­delt hat.

In die­sem Fall macht allein das Hin­zu­tre­ten der Ver­de­ckungs­ab­sicht die davor began­ge­nen Ein­zel­ak­te nicht zu einer ande­ren Tat 2.

In die­sem Fall macht allein das Hin­zu­tre­ten der Ver­de­ckungs­ab­sicht die davor began­ge­nen Ein­zel­ak­te nicht zu einer ande­ren Tat 2. Anders ist die Rechts­la­ge nur dann zu beur­tei­len, wenn zwi­schen einer vor­sätz­li­chen Tötungs­hand­lung und einer mit Ver­de­ckungs­ab­sicht vor­ge­nom­me­nen wei­te­ren Tötungs­hand­lung eine deut­li­che Zäsur liegt 3.

In den Fäl­len, in denen ein äußer­lich unun­ter­bro­che­nes Han­deln zunächst nur mit Kör­per­ver­let­zungs­vor­satz beginnt und dann mit Tötungs­vor­satz wei­ter­ge­führt wird, liegt die erfor­der­li­che Zäsur schon in die­sem Vor­satz­wech­sel selbst 4.

Kommt danach die Annah­me von Ver­de­ckungs­ab­sicht grund­sätz­lich nur in Betracht, wenn ent­we­der zwi­schen einer vor­sätz­li­chen Tötungs­hand­lung und einer mit Ver­de­ckungs­ab­sicht began­ge­nen wei­te­ren Tötungs­hand­lung eine äußer­lich wahr­nehm­ba­re Zäsur liegt oder ein mit Kör­per­ver­let­zungs­vor­satz begon­ne­nes Tun in ein vor­sätz­li­ches Tötungs­ge­sche­hen umschlägt, hat es das Land­ge­richt ver­säumt, die­se Vor­aus­set­zun­gen im Urteil dar­zu­tun.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. März 2017 – 2 StR 370/​16

  1. BGH, Urtei­le vom 02.12 1987 – 2 StR 559/​87, BGHSt 35, 116; vom 10.10.2002 – 4 StR 185/​02, NStZ 2003, 259 Rn. 15 mwN[]
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 10.10.2002 – 4 StR 185/​02, NStZ 2003, 259 Rn. 15 mwN[][]
  3. BGH, Urteil vom 10.10.2002 – 4 StR 185/​02, NStZ 2003, 259 Rn. 16[]
  4. BGH, Urteil vom 20.05.2015 – 2 StR 464/​14, NJW 2016, 179 Rn. 16[]