Ver­fah­rens­rüge – Min­dest­an­for­de­run­gen

Der Revi­si­ons­füh­rer muss die Hand­lung oder Unter­las­sung des Gerichts, gegen die der Vor­wurf der feh­ler­haf­ten Ver­fah­rens­wei­se erho­ben wird 1, prä­zi­se bezeich­nen.

Ver­fah­rens­rüge – Min­dest­an­for­de­run­gen

Allein die sich hier­aus erge­ben­de Angriffs­rich­tung bestimmt den Prü­fungs­um­fang sei­tens des Revi­si­ons­ge­richts, da es einem Revi­si­ons­füh­rer wegen sei­ner Dis­po­si­ti­ons­be­fug­nis frei­steht, ein Pro­zess­ge­sche­hen nur unter einem bestimm­ten Gesichts­punkt zu rügen, einen etwa zusätz­lich began­ge­nen Ver­fah­rens­ver­stoß aber hin­zu­neh­men 2.

Die Aus­füh­run­gen in der Revi­si­ons­be­grün­dungs­schrift, zumal die Beru­fung auf § 244 Abs. 5 Satz 2 StPO, las­sen schon nicht erken­nen, dass die feh­ler­haf­te Ableh­nung des "Beweis­an­trags" auf Ver­neh­mung eines rechts­me­di­zi­ni­schen Sach­ver­stän­di­gen als "sach­ver­stän­di­gen Zeu­gen" gerügt wer­den soll. Die Bean­stan­dung wur­de vom Ver­tei­di­ger des Ange­klag­ten in der Revi­si­ons­be­grün­dungs­schrift aller­dings (mehr­fach) aus­drück­lich als Auf­klä­rungs­rü­ge bezeich­net. Als sol­che ist sie unzu­läs­sig, weil eine bestimm­te Bewei­s­tat­sa­che nicht ange­ge­ben wird und Aus­füh­run­gen dazu feh­len, wes­halb sich dem Gericht die begehr­te Beweis­erhe­bung auf­drän­gen muss­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Novem­ber 2015 – 4 StR 421/​15

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 08.12 2005 – 2 BvR 449/​05, StV 2006, 57, 58 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 03.09.2013 – 5 StR 318/​13, BGHR StPO § 344 Abs. 2 Satz 2 Zuläs­sig­keit 1 mwN[]