Ver­fah­rens­ver­bin­dung statt Eröff­nungs­be­schluss

Der Beschluss zur Über­nah­me und Hin­zu­ver­bin­dung eines noch im Zwi­schen­ver­fah­ren befind­li­chen Ver­fah­rens kann nicht die Bedeu­tung einer kon­klu­den­ten Eröff­nung des Haupt­ver­fah­rens bei­gemes­sen wer­den.

Ver­fah­rens­ver­bin­dung statt Eröff­nungs­be­schluss

Zur Eröff­nung des Haupt­ver­fah­rens gemäß § 203 StPO genügt zwar auch eine schlüs­si­ge und ein­deu­ti­ge Wil­lens­er­klä­rung des Gerichts, die Ankla­ge nach Prü­fung und Beja­hung der Eröff­nungs­vor­aus­set­zun­gen zur Haupt­ver­hand­lung zuzu­las­sen [1]. Den­noch bedarf es im Hin­blick auf die Bedeu­tung des Eröff­nungs­be­schlus­ses als Grund­la­ge des Haupt­ver­fah­rens regel­mä­ßig einer schrift­li­chen Nie­der­le­gung der Ent­schei­dung.

Aus Grün­den der Rechts­klar­heit ist es erfor­der­lich, dass die Urkun­de aus sich her­aus und in Ver­bin­dung mit sons­ti­gen Urkun­den mit Sicher­heit erken­nen lässt, dass die zustän­di­gen Rich­ter die Eröff­nung des Haupt­ver­fah­rens tat­säch­lich beschlos­sen haben [2].

Die von der Straf­kam­mer mit dem­sel­ben Beschluss her­bei­ge­führ­te Ver­bin­dung des amts­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens hat nicht die Wir­kung eines Beschlus­ses über die Zulas­sung der in dem über­nom­me­nen Ver­fah­ren erho­be­nen Ankla­ge und über die Eröff­nung des Haupt­ver­fah­rens, wenn dem Ver­bin­dungs­be­schluss nicht mit der erfor­der­li­chen Sicher­heit zu ent­neh­men ist, dass das Land­ge­richt hin­sicht­lich der über­nom­me­nen Ankla­ge die Eröff­nungs­vor­aus­set­zun­gen geprüft und ange­nom­men hat [3].

Auch die Ent­schei­dung der Straf­kam­mer über die Auf­recht­erhal­tung des Haft­be­fehls in dem bei ihr ange­klag­ten Ver­fah­ren ver­moch­te im vor­lie­gen­den Fall den feh­len­den Eröff­nungs­be­schluss eben­falls nicht zu erset­zen [4], da die Auf­recht­erhal­tung des Haft­be­fehls ledig­lich den bereits von vor­ne­her­ein bei ihr ange­klag­ten Tat­vor­wurf betrifft.

Eine Eröff­nung des Haupt­ver­fah­rens ergibt sich auch nicht dar­aus, dass in der Haupt­ver­hand­lung bei­de Ankla­ge­schrif­ten unbe­an­stan­det ver­le­sen und der Vor­sit­zen­de auch hin­sicht­lich der Ankla­ge­schrift aus dem hin­zu­ver­bun­de­nen Ver­fah­ren irr­tüm­lich fest­ge­stellt hat, dass die­se durch Beschluss der Straf­kam­mer zur Haupt­ver­hand­lung zuge­las­sen und das Haupt­ver­fah­ren vor der 2. Straf­kam­mer eröff­net wor­den sowie eine Ver­bin­dung zu dem zuvor beim Land­ge­richt geführ­ten Ver­fah­ren erfolgt sei. Die Doku­men­ta­ti­on einer grund­sätz­lich mög­li­chen Nach­ho­lung des Eröff­nungs­be­schlus­ses in der Haupt­ver­hand­lung schei­tert hier bereits dar­an, dass die Straf­kam­mer ledig­lich mit zwei Berufs­rich­tern ver­han­del­te. Eine Eröff­nungs­ent­schei­dung ist indes durch die Straf­kam­mer in ihrer Beset­zung außer­halb der Haupt­ver­hand­lung, also mit drei Berufs­rich­tern ohne Schöf­fen, zu tref­fen [5].

Das Feh­len des Eröff­nungs­be­schlus­ses stellt ein in der Revi­si­ons­in­stanz nicht beheb­ba­res Ver­fah­rens­hin­der­nis dar, das zur Ein­stel­lung des gericht­li­chen Ver­fah­rens hin­sicht­lich des hin­zu­ver­bun­de­nen Tat­vor­wurfs nach § 206a StPO mit der Kos­ten­fol­ge gemäß § 467 Abs. 1 StPO führt [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. August 2017 – 2 StR 199/​17

  1. BGH, Beschluss vom 04.08.2016 – 4 StR 230/​16, NStZ 2016, 747; BGH, Beschluss vom 17.12 1999 – 2 StR 376/​99, NStZ 2000, 442, 443 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 16.06.2015 – 2 StR 29/​15, StV 2015, 740; BGH, Beschluss vom 11.01.2011 – 3 StR 484/​10, BGHR StPO § 207 Beschluss 1[]
  3. vgl. zur ähn­li­chen Fall­kon­stel­la­ti­on BGH, Beschluss vom 09.01.1987 – 3 StR 601/​86, NStZ 1987, 239; Beschluss vom 11.01.2011 – 3 StR 484/​10, NStZ-RR 2011, 150; Bay­O­bLG, Urteil vom 05.08.1997 – 2 St RR 154/​97, NStZ-RR 1998, 109[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 05.02.1998 – 4 StR 606/​97, NStZ-RR 1999, 14, 15[]
  5. BGH, Beschluss vom 29.09.2011 – 3 StR 280/​11, NStZ 2012, 225, 226, Urteil vom 25.02.2010 – 4 StR 596/​09 12[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 04.08.2016 – 4 StR 230/​16, NStZ 2016, 747; BGH, Beschluss vom 16.06.2015 – 2 StR 29/​15, StV 2015, 740, 741[]