Ver­fall – und die unbil­li­ge Här­te

Das Nicht­mehr­vor­han­den­sein des Wer­tes des Erlang­ten im Ver­mö­gen des Betrof­fe­nen kann für sich genom­men kei­ne unbil­li­ge Här­te im Sin­ne von § 73c Abs. 1 Satz 2 StGB dar­stel­len. Hin­zu­kom­men muss viel­mehr, dass die Anord­nung des Ver­falls schlecht­hin unge­recht wäre und das Über­maß­ver­bot ver­let­zen wür­de [1].

Ver­fall – und die unbil­li­ge Här­te

Wäh­rend nach § 73c Abs. 1 Satz 1 StGB der Ver­fall beim Vor­lie­gen einer unbil­li­gen Här­te zwin­gend aus­ge­schlos­sen ist, eröff­net § 73c Abs. 1 Satz 2 Alt. 1 StGB für den Fall, dass der Wert des Erlang­ten ganz oder teil­wei­se nicht mehr im Ver­mö­gen des Betrof­fe­nen vor­han­den ist, die Mög­lich­keit, nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen von einer Ver­falls­an­ord­nung abzu­se­hen. Da die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen, wel­che nach Satz 2 der Vor­schrift ein Abse­hen vom Ver­fall nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen ermög­li­chen, nicht zugleich einen zwin­gen­den Aus­schluss­grund nach § 73c Abs. 1 Satz 1 StGB bil­den kön­nen, folgt aus der Sys­te­ma­tik der Norm, dass das Nicht­mehr­vor­han­den­sein des Wer­tes des Erlang­ten im Ver­mö­gen des Betrof­fe­nen jeden­falls für sich genom­men kei­ne unbil­li­ge Här­te dar­stel­len kann, son­dern dem Anwen­dungs­be­reich des § 73c Abs. 1 Satz 2 StGB unter­fällt [2].

Daher bedarf es für das Vor­lie­gen einer unbil­li­gen Här­te zusätz­li­cher Umstän­de, die die hohen Vor­aus­set­zun­gen des Tat­be­stands­merk­mals bele­gen. Dies setzt vor­aus, dass die Anord­nung des Ver­falls schlecht­hin unge­recht wäre und das Über­maß­ver­bot ver­let­zen wür­de [3]. Anhalts­punk­te für eine sol­che Sach­la­ge sind jeden­falls nicht gege­ben, soweit der Ange­klag­te 2.580 € Bar­geld und eine Uhr im Wert von rund 1.500 € in sei­nem Ver­mö­gen hat. Es wäre mit Sinn und Zweck des Ver­falls von Wert­er­satz schwer­lich zu ver­ein­ba­ren; vom Ver­fall von Wert­er­satz voll­stän­dig abzu­se­hen, um dem Ange­klag­ten vor­han­de­ne Ver­mö­gens­wer­te etwa für Zwe­cke der Reso­zia­li­sie­rung zu erhal­ten [4].

Der bereits bei der Anord­nung zutref­fend ange­nom­me­ne Arrest­grund (§ 111d Abs. 2 StPO, § 917 Abs. 1 ZPO) besteht fort, da zu besor­gen ist, dass ohne die Ver­hän­gung des Arres­tes die Durch­set­zung der gesi­cher­ten For­de­run­gen wesent­lich erschwert wer­den wür­de. Abge­se­hen von den im ursprüng­li­chen Arrest­be­fehl dar­ge­leg­ten Grün­den, liegt eine sol­che Besorg­nis regel­mä­ßig schon dann nahe, wenn der Tat­be­stand eines ver­mö­gens­be­zo­ge­nen Straf­ge­set­zes erfüllt ist [5].

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 4. Sep­tem­ber 2014 – 3 Ws 253/​14

  1. Anschluss an BGH, Urteil vom 26.März 2009 – 3 StR 579/​08[]
  2. BGH, Urteil vom 26.03.2009 – 3 StR 579/​08, NStZ 2010, 86 mwN; s. auch BGH, Beschluss vom 26.06.2014 – 3 StR 83/​14 3[]
  3. BGH, Urteil vom 26.03.2009, NStZ 2010, 86 f. mwN[]
  4. s. bereits BGH, Urteil vom 11.04.1995 – 1 StR 836/​94, NStZ 1995, 495[]
  5. vgl. OLG Frank­furt, Beschluss vom 21.01.2005 – 3 Ws 42/​05, NStZ-RR 2005, 111, 112 mwN; OLG Ros­tock, Beschluss vom 19.12 2013 – Ws 320/​13 28 mwN[]