Ver­fall und unbil­li­ge Här­te

Die Annah­me einer "unbil­li­gen Här­te" im Sin­ne des § 73c Abs. 1 Satz 1 StGB setzt nach stän­di­ger Recht­spre­chung eine Situa­ti­on vor­aus, nach der die Anord­nung des Ver­falls das Über­maß­ver­bot ver­let­zen wür­de, also schlecht­hin "unge­recht" wäre 1.

Ver­fall und unbil­li­ge Här­te

Die Aus­wir­kun­gen müs­sen im kon­kre­ten Ein­zel­fall außer Ver­hält­nis zu dem vom Gesetz­ge­ber mit der Maß­nah­me ange­streb­ten Zweck ste­hen; es müs­sen beson­de­re Umstän­de vor­lie­gen, auf Grund derer mit der Voll­stre­ckung des Ver­falls eine außer­halb des Ver­falls­zwecks lie­gen­de zusätz­li­che Här­te ver­bun­den wäre, die dem Betrof­fe­nen auch unter Berück­sich­ti­gung des Zwecks des Ver­falls nicht zuge­mu­tet wer­den kann 2.

Allein der Gesichts­punkt der – abs­trakt – gesetz­li­chen Kon­se­quen­zen einer gesamt­schuld­ne­ri­schen Haf­tung stellt kein taug­li­ches Kri­te­ri­um dar, eine unbil­li­ge Här­te im Sin­ne von § 73c Abs. 1 Satz 1 StGB zu ver­nei­nen. Ande­ren­falls hät­te § 73c Abs. 1 Satz 1 StGB im Anwen­dungs­be­reich des § 111i Abs. 2 StPO bei gesamt­schuld­ne­ri­scher Haf­tung kei­nen Anwen­dungs­be­reich. Da es bei meh­re­ren Tätern und/​oder Teil­neh­mern für die Fest­stel­lung der dem Auf­fang­rechts­er­werb des Staa­tes unter­lie­gen­den Ver­mö­gens­wer­te gemäß § 111i Abs. 2 StPO auf die jewei­li­gen per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se der Tat­be­tei­lig­ten ankommt 3, hat das Gericht ent­spre­chen­de indi­vi­du­el­le Fest­stel­lun­gen zu tref­fen 4 und zu gewich­ten.

Maß­ge­bend für die Ermes­sens­ent­schei­dung nach § 73c Abs. 1 Satz 2 1. Alt. StGB ist neben der Gesamt­hö­he des Erlang­ten und den wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen des Betrof­fe­nen ins­be­son­de­re der Grund, aus wel­chem das Erlang­te bzw. des­sen Wert sich nicht mehr im Ver­mö­gen des Ange­klag­ten befin­det 5. Hier­bei kön­nen etwa das "Ver­pras­sen" der erlang­ten Mit­tel oder ihre Ver­wen­dung für Luxus und zum Ver­gnü­gen gegen die Anwen­dung der Här­te­vor­schrift spre­chen; ande­rer­seits kann ihr Ver­brauch in einer Not­la­ge oder zum not­wen­di­gen Lebens­un­ter­halt des Betrof­fe­nen und sei­ner Fami­lie als Argu­ment für eine posi­ti­ve Ermes­sens­ent­schei­dung die­nen 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Okto­ber 2014 – 2 StR 134/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 02.10.2008 – 4 StR 153/​08, BGHR StGB § 73c Här­te 13; Fischer, StGB, 61. Aufl., § 73c Rdn. 3, jeweils mwN[]
  2. BGH aaO mwN[][]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 28.10.2010 – 4 StR 215/​10, BGHSt 56, 39, 50[]
  4. vgl. Fischer aaO Rdn. 3 mwN[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 02.12 2004 – 3 StR 246/​04, NStZ-RR 2005, 104, 105; Fischer aaO Rdn. 5, jeweils mwN[]