Ver­fall­ent­schei­dung – und die Här­te­fall­prü­fung

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ergibt sich aus dem sys­te­ma­ti­schen Ver­hält­nis zwi­schen der bei "unbil­li­ger Här­te" zwin­gend zum Aus­schluss der Ver­falls­er­klä­rung füh­ren­den Rege­lung in § 73c Abs. 1 Satz 1 StGB aF einer­seits und der Ermes­sens­vor­schrift in § 73c Abs. 1 Satz 2 StGB aF ande­rer­seits, dass regel­mä­ßig zunächst auf der Grund­la­ge letzt­ge­nann­ter Vor­schrift zu prü­fen ist, ob von einer Anwen­dung des Ver­falls oder des Wert­er­satz­ver­falls abge­se­hen wer­den kann 1.

Ver­fall­ent­schei­dung – und die Här­te­fall­prü­fung

Eine Ermes­sens­ent­schei­dung nach § 73c Abs. 1 Satz 2 StGB aF schei­det nur aus, soweit der Ange­klag­te über Ver­mö­gen ver­fügt, das wert­mä­ßig nicht hin­ter dem anzu­ord­nen­den Ver­falls­be­trag zurück­bleibt 2.

So auch im vor­lie­gen­den Fall: Das Land­ge­richt, das ledig­lich das Vor­lie­gen einer unbil­li­gen Här­te im Sin­ne des § 73c Abs. 1 Satz 1 StGB aF unter Hin­weis auf groß­zü­gi­ge Abschlä­ge bei der Schät­zung des Erlang­ten nach § 73 Abs. 1 Satz 1 StGB aF ver­neint hat, hat ein (teil­wei­ses) Abse­hen von der Ver­falls­an­ord­nung gemäß § 73c Abs. 1 Satz 2 StGB aF nicht geprüft, obwohl die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen die­ser Vor­schrift nach den getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen zur Per­son des Ange­klag­ten jeden­falls nicht fern­lie­gen. So ging der Ange­klag­te in der Ver­gan­gen­heit bis zur Haupt­ver­hand­lung kei­ner Beschäf­ti­gung nach und bezog auch kei­ne staat­li­chen Leis­tun­gen. Lega­le Ein­kom­mens­quel­len sind nicht bekannt gewor­den. Dass der Ange­klag­te über den bei der Durch­su­chung sicher­ge­stell­ten Geld­be­trag in Höhe von ins­ge­samt 8.907, 50 Euro hin­aus, auf des­sen Rück­ga­be er in der Haupt­ver­hand­lung ver­zich­tet und den die Straf­kam­mer bei der Ver­falls­an­ord­nung in Abzug gebracht hat, über wei­te­res Ver­mö­gen ver­fügt, hat die Straf­kam­mer nicht fest­ge­stellt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Okto­ber 2017 – 4 StR 259/​17

  1. vgl. BGH, Urteil vom 26.03.2015 – 4 StR 463/​14, wis­tra 2015, 270; Beschlüs­se vom 15.11.2016 – 3 StR 385/​16, Stra­Fo 2017, 74 f.; vom 16.07.2015 – 4 StR 265/​15, NStZ-RR 2015, 307[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 15.11.2016 – 3 StR 385/​16 aaO mwN[]